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Projekt-Beschreibung Tzagaannuur von Dr. Schlichtenhorst
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Tzagaannuur liegt in der Provinz Khövsgöl-Aimag, rund 650 km nordwestlich von UB entfernt am nördlchen Rand
der Mongolei, nicht weit von der russischen Grenze Um dorthin zu kommen, nahmen wir das Flugzeug nach Murun (1 ½ Stunden),
anschliessend ging es im russischen Jeep weiter, 9 Stunden für 270 km.
Das Dorf hat ca. 2.000 Einwohner (mit Einzugsbereich des Umlandes) und ist vor uns noch niemals von Zahnärzten besucht worden.
Es liegt am gleichnamigen See und ist umgeben von nach Salbei duftendem Grasland. Die Hügel sind bewaldet, die höher gelegenen
Berge felsig. Es gibt mehrere kleine Läden für die Grundbedürfnisse, ein kleines Restaurant, in dem wir frühstückten und Mittag- und Abend-Essen
einnahmen (gut gewürzt, u.A. Fisch und Rindfleisch), eine Tankstelle und das Krankenhaus.
Das Klima ist angenehm, nicht zu trocken und nicht zu heiss, nachts kann es empfindlich kalt werden, eine wärmende Jacke für die
Abende sollte man unbedingt dabei haben, ebenso Regenschutz.
Untergebracht waren wir im Nebenhaus auf Mocka´s Grundstück, zum Krankenhaus mussten wir jeweils rund 1,8 km laufen.
Die Betten waren ok, als Toilette diente das Plumpsklo. Fliessend Wasser gab es nicht, eine abgeschnittene Cola-Flasche diente
als Wasserspeicher (morgens manchmal gefroren). Zum Duschen konnte man sich im Dorf im Badehaus anmelden und hatte dort
auch warmes Wasser.(1.500 T).
Für die Praxisräume wurden ärztliche Konsultationszimmer frei gemacht: 2 Behandlungsräume mit mobilen Einheiten
(Turbine, Mikromotor mit Winkelstück und separater Absaugung) und Patienten-Klappstühlen mit verstellbarer Lehne,
Prophylaxe-Raum mit Ultraschallgerät (Woodpecker), nur ein normaler Stuhl. Ein Kapselmischer stand nicht zur Verfügung,
die Op-Lampen waren nach 2 Tagen irreparabel kaputt, aber 2 Polymerisationslampen waren ok, ausser bei (häufigem) Stromausfall.
An Instrumenten fanden sich je rund 20 Mundspiegel, Sonden (doppelendig: Sichelförmig + Distalsonde), Pinzetten (ohne Riffelung an den
Branchen, was die Handhabung sehr erschwert), Unterfüllungsstopfer (doppelendig: Planstopfer + spatelförmig), Excavatoren (doppelendig)
und Anrührspatel. Weitere Instrumente (Heidemann-Spatel oder Kugelstopfer etc.). komplettierten die Ausstattung.
Die mitgelieferten Carpulen-Injektions-Spritzen waren nicht kompatibel zu den Kanülen, aber wir hatten eigene mitgebracht.
Die an den Stühlen angebrachten Halogen-Op-Lampen (mit sehr gelbem Licht) sind in ihrer Halterung bruchgefährdet, im Zweifelsfall muss
mit Stirnlampe gearbeitet werden. Die Turbinen-Wasserkühlung erreicht die Präparations-Spitze des Diamanten nicht. Es sollten deshalb extra
kurze Dia´s Verwendung finden. Füllungsmaterial (Amalgam und GIZ-Kapseln wg. fehlendem Kapselmischer nicht verwendbar, Composites), Anaesthetica
und Kanülen, Speichelsauger (mit abnehmbarer Kappe!), Endo-Instr. + Mat., Dia´s, Bohrer, Kleinteile sind abhängig vom Spenderwillen der Einsatzleute
vorhanden oder auch nicht (von DWLF gibt es nur eine unsortiert zusammengewürfelte Kiste mit oft unbrauchbaren Materialien). Dasselbe gilt für
Hände-Desinfektion, Mundschutz und Handschuhe. Desinfektionsmittel werden von DWLF für Instrumente, Bohrer und Oberflächen geliefert, für die
Wisch-Desinfektion standen Tücher aus Nachfüllpackungen ohne Spenderdose bereit.
Gearbeitet wurde von 9-13 Uhr und 14-18 Uhr. 1 mongolische Kollegin (Supta) stand uns zur Seite, sie assistierte zunächst und wurde in die Geheimnisse
zahnsubstanz-schonender Kavitäten-Präparation eingeweiht und eingeübt.
Die Patienten warteten geduldig, nur wenige waren mit unseren Therapie-Vorschlägen nicht einverstanden (Ein Rentier-Nomade suchte die Weite,
nachdem er anaesthesiert worden war). Es wurden mehr Füllungen gelegt als Extraktionen durchgeführt. Die Erwachsenen wiesen durchweg bessere
Mundverhältnisse auf, als sonst in der Mongolei gewohnt, aber viele Kinder hatten auch untherapierbare Zahnruinen aufzuweisen.
Die Wochenenden waren frei und ausgefüllt mit Freizeit-Aktivitäten, die von der Klinikleitung und von der Bürgermeisterin fürsorglich organisiert wurden
(Picknick am See, Bootspartie auf dem See, Schamanen-Rituale in den Bergen, Ausflug nach Tengis, Besuch der Rentier-Nomaden, auf der Rückfahrt
Übernachtung und Aufenthalt am Khövsgöl Nuur). So war für Abwechslung gesorgt, und bleibende Erinnerungen an die mongolischen Freunde sind garantiert.
Ein besonderer Dank richtet sich an unsere Laura (Lhagwa), die dank ihrer guten Beziehungen so manches Tor geöffnet hat und an Buumi, die besonders in
Zusammenarbeit mit Renate Verdienste um die Aufklärung und Prophylaxe erworben hat.
Dr. Ekkehard Schlichtenhorst
16.8.-29.8.2011
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