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Ursprünglichkeit, unendliche Weiten und gastfreundliche Menschen- Dr. Ortlep Drucken E-Mail
Geschrieben von Dr. Ortlep- Veröff. Franka Maria Selz   
Montag, 9. Januar 2012
ortlepp_mongolei_25.6.-14.7._bild_6_240_pxl.jpg  Ein Bericht von Dr. Ortlep zum Mongoleiaufenthalt vom 25.06.-14.07.2011
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Im Sommer 2010 reifte unsere Idee, gemeinsam unseren Sommerurlaub im Ausland als Unterstützung der Organisation Zahnärzte ohne Grenzen zu verbringen.
Im Herbst erfolgte dann die erste Kontaktaufnahme mit der Organisatorin Tuul Sodnompil. Da wir nicht anders gemeinsam Urlaub bekommen konnten, mussten
wir vor allen anderen Gruppen zu einem Sondertermin in die Mongolei reisen.
   

Die Flüge haben wir direkt bei MIAT (Mongolian Airlines, ca. 800 Euro) gebucht.
Die Kontaktperson hierfür ist Bulgan Nayanjin ( Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können ).
MIAT bietet Direktflüge von Berlin nach Ulanbaator an.
Außerdem besteht eine Sondervereinbarung, dass wir auf dem
Hinflug 10 kg Übergepäck mitnehmen dürfen.

Im Vorfeld des Aufenthaltes haben wir dann von Dentalfirmen und Depots
Spenden gesammelt. Es empfiehlt sich, eine genaue Auflistung der einzelnen Materialien
in den Koffer zu legen, damit man Probleme am Zoll vermeiden kann. Zwei unserer drei
Materialkoffer wurden bei der Einreise kontrolliert und leider auch konfisziert. Dies lag
wahrscheinlich auch daran, dass Tuul mehrere Kisten voller Materialien
dabei hatte und eine Zollbeamtin dafür eine Zusatzbescheinigung wollte. Eigentlich hätte
es laut Organisation keine Probleme geben dürfen, doch leider ist auch in der Mongolei Korruption
groß geschrieben und es war für Tuul ein großer Aufwand die Koffer nach mehreren Tagen
wiederzukommen. Daher der Tipp an alle: nicht in einer geschlossenen Gruppe durch den Zoll, wer
durch ist, wartet draußen auf den Rest!

So machten wir uns dann mit dem einen verbleibenden Spendenkoffer auf ins 80 km entfernte
Batsumber. Die Fahrt mit der transmongolischen Eisenbahn dauert ca. 2 ½ Stunden.
Wir haben uns ein Ticket für ein Einzelabteil gekauft (ca. 3 Euro), in dem es sich gemütlich fahren ließ
und wir konnten so einen ersten Blick auf die schöne Landschaft genießen.

In Batsumber wurden wir von Tuul's Bruder in Empfang genommen. Er ist auch der Hausmeister für
das kleine Häuschen, das Zahnärzte ohne Grenzen gegenüber der Klinik errichtet hat. Das Haus hat
insgesamt 4 Betten, eine Sitzecke, eine Küche und ein Bad. Man kann dort also recht
komfortabel leben. Bei uns gab es ein paar Schwierigkeiten mit der Toilette und Warmwasser, an
die man sich allerdings schnell gewöhnen konnte. Im Garten steht außerdem noch eine Jurte, in der
man auch schlafen könnte. Die Unterbringung und die Verköstigung (auf Wusch auch ohne Hammel)
durch eine deutsch sprechendeMongolin sind kostenfrei, man sollte lediglich am Schluss ca. 20000 T
pro Person für Strom und Wasser bezahlen. Am Montag begann dann unsere Arbeit in der Zahnstation
von Batsumber. Eigentlich wäre es geplant gewesen, dass wir mit mobilen Einheiten in die
Umgebung fahren, aber aufgrund der wenigen Materialien, die wir noch dabei hatten, arbeiteten wir erstmal
nur in Batsumber. Dort wurden wir von der mongolischen Zahnärztin Niamka begleitet. Sie spricht ein
bisschen Englisch und konnte uns so super bei der Arbeit und Verständigung unterstützen. Die Station
im Krankenhaus ist mit allem nötigen ausgestattet. Es gibt einen Behandlungsstuhl, eine ausreichende
Menge an Turbinen und Winkelstücken, eine Lichthärtelampe und Instrumente. Die Verbrauchsmaterialien
sollten komplett von uns mitgebracht werden, außerdem könnte es nicht schaden, Spiegel, Sonden und
Zangen mitzubringen, weil man mit dem Sterilisieren kaum hinter herkommt und dann zeitweilig
Instrumente fehlen. Um die Sterilisation kümmert sich Niamka. Während unseres Aufenthaltes wurde
ein neuer Steri in Betrieb genommen, der allerdings erstmal nicht funktionierte. Daher wurde mit einer
Kochplatte und einem Drucktopf die Sterilisation durchgeführt, was natürlich sehr zeitintensiv war.

ortlepp_mongolei_25.6.-14.7._bild_5_240_pxl.jpg  In Batsumber konnten wir leider nicht parallel arbeiten und haben uns in der Behandlung abgewechselt. Unser Arbeitstag begann um 9Uhr und endete gegen 18Uhr, dazwischen gab es ein Mittagspause.
Die Zahngesundheit in der Mongolei ist sehr schlecht. Wir haben hauptsächlich Füllungen und Extraktionen gemacht. Es ist zeitlich unmöglich einen Patienten durchzusanieren und so entschieden wir uns vor allem bei Kindern häufig für den Erhalt der bleibenden  Zähne (lieber Versiegelung und Füllung der 6er, als Extraktion der Milchzähne) oder auf Schmelzbefreiung. Leider sind die bleibenden Backenzähne bei vielen Kindern bereits nach
kurzer Zeit tief kariös zerstört. Daher haben wir auch ein großes Augenmerk auf die Prophylaxe gelegt und wo immer es möglich war versiegelt und Zahnputzschulungen durchgeführt. Die Kinder haben selbst  bei schmerzhaften Eingriffen ganz toll mitgemacht, was uns wirklich beeindruckte. Unter den gegebenen Umständen machten Wurzelbehandlungen keinen Sinn. Zwar gibt es ein Root ZX zur Längenbestimmung, jedoch ist durch fehlende Spülung, fehlende medikamentöse Einlagen, kein Röntgen und das nur einmalige Kommen des Patienten, die Prognose der WB sehr schlecht. Die Entscheidung einen Zahn, den man in Deutschland hätte retten können, ziehen zu müssen, kostete uns einiges an Überwindung.
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Das erste Wochenende konnten wir für einen Ausflug in den Terelj-Nationalpark nutzen, wo wir in einem Jurtencamp übernachtet haben, das von einem etwas verrückten, aber sehr liebenswürdigen Holländer namens Bert geführt wird. Dort konnten wir reiten,
wandern und die Natur genießen. Es waren herrliche Tage und wir können das nur jedem weiter empfehlen.

Zurück in Batsumber hatten wir das Glück, das mongolischen Nationalfest „Naadam" mitzuerleben, bei dem es Wettkämpfe im Ringen, Bogenschießen und Reiten gibt. Wir hatten die Ehre selbst bogenschießen zu dürfen, was sehr zur Belustigung der mongolischen Zuschauer beitrug. Anschließend wurden wir zum Bürgermeister in die „VIP-Jurte" geladen, wo wir in den Genuss von „Airag" (vergorene Stutenmilch) und Vodka kamen.
Glücklicherweise kamen wir  um den Festschmaus des Fettsteißhammels drumherum.  Das Fest lieferte uns sehr spannende Einblicke in die mongolische Tradition.

In unserer zweiten Arbeitswoche sind wir zum Arbeiten mit der mobilen Einheit (zwei Klappbehandlungsstühlen, Kompressor mit zwei Winkelstücken und Absauganlage) in umliegende Dörfer gefahren. 
Inzwischen war auch unser restliches Material vom Zoll endlich da, so dass wir aus dem Vollen schöpfen konnten. Wir haben unsere Einheiten in einem kleinen Hotelzimmer bzw. einem Kindergarten aufgebaut
und so lange gearbeitet, bis alle Dorfbewohner behandelt worden waren. Es waren anstrengende, aber vor allem tolle und erfüllende Tage. 

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Die letzten Tage vor unserer Rückreise verbrachten wir in Ulanbaator. Die Hauptstadt beeindruckte uns eher durch ihre Hässlichkeit. Doch wurden wir durch das Naadam-Fest und die beeindruckende Eröffnungsveranstaltung
im Stadion, das mitreißende Pferderennen, bei dem 4-8 Jährige ohne Sattel im Galopp ca. 30km zurücklegen, die bunten Farben der mongolischen Festkleidung und bogen schießenden Frauen entschädigt.
Das war ein wirklich großartiges Erlebnis.

Wir können einen Mongolei-Aufenthalt jedem nur wärmsten ans Herz legen. Es ist eine tolle Möglichkeit ein noch so ursprüngliches Land mit unglaublichen Weiten und gastfreundlichen Menschen kennenzulernen.
Für uns war es eine unvergessliche Zeit und wir waren traurig, dass wir nicht länger bleiben konnten, um Land und Leute noch besser kennenzulernen.

Dr. Hanna Ortlep


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