Home arrow Erfahrungsberichte arrow Europa arrow 2011-4 / Rumänien: Mit der mobilen DWLF Zahnstation unterwegs: ZA Annette Kirchner-Schröder
Sponsoren:
Advertisement
2011-4 / Rumänien: Mit der mobilen DWLF Zahnstation unterwegs: ZA Annette Kirchner-Schröder Drucken E-Mail
Geschrieben von von ZA Annette Kirchner-Schröder DWLF ID 0173 Email: netti065@freenet.de   
Montag, 18. April 2011

On the road again...Johanniter Unfall Hilfe mit 5 Zahnärzten  quer durch Rumänien. Eindrücke von der Zahnärztin Annette Kirchner-Schröder aus D- Otterbach  DW ID 0173 und dem Johanniter Lorand Szüszner aus D -  Lauf bei Nürnberg DWLF ID 0583
Anmerkung vom 7.5.11:  Wegen des Pioniereinsatzes in Namibia- der übrigens sehr erfolgreich war - konnten erst jetzt alle Bilder in  diesen wunderschönen und gut informierenden Artikel gestellt werden. Ausführlicher Artikel über das DWLF Engagement in Namibia folgt. Dr.C. Macher

Hilfseinsatz in Rumänien vom 23.3.-4.4.2011

               angefahrene Stationen:

- das Beks119311portrtannette_kirchner-schrder_id_173klein.jpghindertenheim in Bădăcin
- das Wohnheim für Romajugendliche u. junge Erwachsene in Luncani
- die Insel Maliuc im Donaudelta

Unglaubliche Begeisterung schlug uns entgegen, als wir am Morgen über das Heimgelände unserem Frühstück entgegeneilten. Hände schütteln, Küsse, immer wieder Umarmungen und endlose rumänische Wortschwalle....In der Nacht waren wir, Lorand Szüszner und ich, nach knapp 13 Stunden Fahrt in Bădăcin angekommen, die letzten 50 km auf einer kurvigen Schlaglochpiste.


Zum dritten Mal wollten wir möglichst viele der 127 Heimbewohner untersuchen und behandeln. Zur Seite stand uns Mariana, eine rumänische Zahnärztin aus Bistriţa, die die 5 Stunden Autofahrt bis hierher nicht gescheut hatte. Innerhalb von 2 Stunden war der Sprinter ausgeräumt und eine gut ausgestattete Zahnarztpraxis aufgebaut. Eine wunderbare Neuerung war die mobile Einheit, von den Johannitern gesponsert, die keine Wünsche offen lässt.
Wir arbeiteten 2 Tage und konnten 56 Patienten versorgen. Wir extrahierten 109 Zähne, legten 31 Füllungen, entfernten Zahnstein, inzidierten Abszesse. Jeder Patient bekam eine Zahnbürste geschenkt. Von den 127 Bewohnern haben wir nun 83 Patienten untersucht. Der Behandlungsbedarf ist weiterhin enorm.                                                                                                                                                                       foto2klein.jpg
foto1klein.jpg

Danach fuhren wir, 160 km südlich, unserem nächsten Einsatzort entgegen.                                                                                                                                                               
Ein Hilfstransport hatte schon Tage vorher nach Luncani einen Behandlungsstuhl, einen Steri und diverse Materialien gebracht. Die Kunst war es nun, unsere Instrumente und Materialien so aufzuteilen, dass an 2 Standorten gleichzeitig gearbeitet werden konnte, denn wir wollten am nächsten Tag Richtung Delta aufbrechen. In Luncani konnten wir Jeanette Pies aus Mainz und Anne Lauenstein aus München begrüßen, Sie hatten sich bereit erklärt, für eine Woche in Luncani zu arbeiten, mit dem Ziel, sämtliche Bewohner des Hauses komplett zu sanieren. foto3kleinannetteundkollegin.jpgGemeinsam richteten wir die Praxis im großzügigen und super vorbereiteten Lagerraum des Hauses ein. Ein paar gemeinsame Patientenbehandlungen „zur Probe" der chinesischen mobilen Einheiten, eine letzte kritische Prüfung der Materialien (werden die Anästhetika reichen?) und schon konnten wir guten Gewissens am nächsten Tag Luncani verlassen.....
Jeanette und Anne haben hart gearbeitet und alle Patienten saniert, dazu einige Bedürftige aus dem Dorf und den Romasiedlungen.
Bilanz: 35 Patienten, 58 Extraktionen, 141!!! Füllungen, diverse Zahnsteinentfernungen.
Sie haben demonstriert, wie man richtig Zähne putzt und Zahnseide benutzt.
Alle Bewohner sind sehr glücklich. Manche haben 2-3-stündige Behandlungen hinter sich gebracht. Bei unserer Rückkehr aus dem Delta konnten wir beobachten, wie sie oft vor dem        foto5kritischezuschauerklein.jpg        Spiegel standen und sich am Anblick ihrer Zähne erfreuten. Auch hier bekam jeder Patient eine Zahnbürste als Anerkennung und zur Motivation.
Fotos 4-7

Unsere Reise ins Donaudelta war lang. Zum Glück war Sonntag und wir benötigten „nur" 10 Stunden. Zeitraubend war es auch, den Fährhafen zu finden, von dem aus man über die Donau gelangen konnte. Beschilderung in Brăila? Fehlanzeige! Aber jede Reise hat ein Ende und so wurden wir am Abend in Tulcea von Catalin Stefanescu, Journalist von TVR1 aus Bukarest und Anne Meurer, Zahnärztin aus Heidelberg begrüßt. Das Hotel zu Sonderkonditionen war seine 4 Sterne wert, eine angenehme Abwechslung zu den bisherigen Unterkünften. Der nächste Vormittag verging damit, dass für unser Auto eine geeignete Plattform gefunden werden musste, damit wir nach Maliuc gelangen konnten. Die Transportkosten variierten zwischen 500€ und 2000€ für die Hin-und Rückfahrt.  foto7gruppenbildklein.jpgUnglücklicherweise entpuppte sich das „Schnäppchenangebot" am Ende doch als Irrtum. Wer einmal auf Maliuc festsitzt, muss jeden Preis zahlen, um wieder aufs Festland zurückzukommen ... Und so mussten für die Rückfahrt noch einmal 500 € aufgebracht werden. Afoto4annettemithelferampat_klein.jpgm frühen Nachmittag konnten wir den Sprinter endlich auf die Plattform fahren, die von einem Beiboot stromabwärts geschoben wurde. Bei eisigem Wind war Maliuc, eine kleine Insel im Delta, nach 2,5 Stunden erreicht, Hier leben ca. 300 Einwohner, überwiegend vom Fischfang. Unser Programm (Reihenuntersuchung und Behandlung aller Inselbewohner unter 18 Jahren) war verknüpft mit einer Aktion des Vereines Taşuleasa social, der sich für Kinder und Jugendliche engagiert und diese vorwiegend in Umweltprojekte (Baumpflanzaktionen, Flussreinigungsprojekte, Recycling) einbindet. Untergebracht waren wir in einem Hotel, in dem es nicht einfach war, sich wirklich wohl zu fühlen. Dass es morgens, mittags und abends Fisch gab ist einfach regional bedingt, auch wenn man ihn spätestens am zweiten Tag nicht mehr sehen kann. Schwerer zu ertragen war die Kälte, da es im Speisesaal keine Heizung gab und auch die meisten Zimmer ohne Heizmöglichkeifoto9ankunftaufmaliucklein.jpgt waren. Wenn beim Essen die eigene Atemluft die Sicht vernebelt, hilft nur noch Wodka. Mit unfoto8aufderplattformklein.jpgs waren einige Journalisten, die sicher denkwürdige Artikel für ihre Zeitungen schreiben werden...Das Haus, in dem wir arbeiteten, war perfekt. Dort wohnt der Inselarzt, gleich neben seinen Sprechzimmern. Wir hatten einen kleinen Raum zur Verfügung, in dem wir alles gut einrichten konnten. Anne, Lorand und ich behandelten dort 2 Tage lang. Für viele Patienten war es der Erstkontakt mit einem Zahnarzt. Alle waren jedoch sehr aufgeschlossen und da wir versuchten, möglichst viele Patienten komplett zu sanieren, waren die Wartezeiten oft recht lang, was jedoch ohne Murren in Kauf genommen wurde.  Jeder Patient bekam einen Becher mit Zahnbürste und Zahnpasta. Insgesamt behandelten wir 54 Patienten (davon alle 47 Kinder und Jugendliche). Wir versiegelten 118 Zähne, legten 43 Füllungfoto11sprinterverladungklein.jpgen und mussten 37 Extraktionen durchführen. Auch Zahnstein wurde entfernt. Es war eine sehr   gute und erfolgreiche Aktion, die jedoch aufgrund der langen, anstrengenden und teuren Anfahrt sicher einmalig bleiben wird.
Fotos 8-11
foto10anne_annette_beiderbehandlungmaliuc.jpg 
Für die Rückfahrt nach Luncani benötigten wir 13 Stunden, einfach unglaublich, wie sich 600 km ziehen können. Zur Feier aller Erfolge hatte ich mir per SMS eine Party gewünscht. Und es gab Party! Ein doppelt mannshohes Feuer, Wein, Musik und entspannte Atmosphäre...Alle waren total zufrieden!
Foto 12

Jeanette und Anne flogen am nächsten Tag von Cluj nach Hause und    wir behandelten noch die restlichen Patienten. Am Nachmittag sahen wir uns in Câmpia Turzii das      foto13_romasiedlungklein.jpg Gelände an, auf dem Häuser für Romafamilien gebaut werden sollen. Die jetzigen Wohnzustände sind unbeschreiblich. Später soll es vor Ort auch eine Möglichkeit zur ärztlichen Versorgung der Menschen geben. foto12feuerklein.jpgMag sein, dass es machbar wird, dort auch zahnärztlich zu behandeln. Momentan gibt es nur einige verfallene Häuser, ca. 100 Roma, jede Menge Müll .... Man braucht schon eine Menge Phantasie und Idealismus, um an eine bessere Zukunft für diese Menschen zu glauben.
Foto 13

Ja, und dann wurde es langsam Zeit, dass auch wir all unser Material, die unzähligen Kisten und Kästen verluden...keine einfache Sache..."1000 mal" die gleichen Sachen in die Hand nehmen, bis im begrenzten Sprinter alles seinen Platz findet....
Foto 14

1200 km bis Lauf, für mich 1550km bis nach Hause...Zeit langsam anzukommen...Aber wie immer dauert das                                                    foto14bereitzurheimreiseklein.jpg Wochen!                                                           

Wir danken Allen, die uns mit Sachspenden oder finanziell unterstützten:
-die Stiftung „Zahnärzte ohne Grenzen"
-die JUH
-die Firma Leibinger
-das Dentaldepot Henry Schein
-das Dentallabor Ewald in Ramstein
-die Apotheke Brunn in Rodenbach
-die Turnerfrauen von Rodenbach
-die Landfrauen von Rodenbach
-zahlreichen Spendern
-all meinen Patienten, die mich mit Worten oder finanziell unterstützten

Weiterhin danken möchte ich Lorand, der diesen Einsatz zum wiederholten Male super vorbereitet hat. Danken möchte ich Mariana, Jeanette, Anne L. und Anne M. für ihre hervorragende Arbeit und für die Freude, die wir miteinander teilten. Danken möchte ich den Verantwortlichen von Bădăcin, Luncani und Maliuc für die gut vorbereiteten Behandlungsräume und die freundliche Aufnahme, sämtlichen Journalisten, die über unsere Arbeit berichten und dem Team von Taşuleasa social, die uns ins Delta einluden.
Zuletzt möchte ich meiner Familie danken, die mich immer wieder in „die Ferne" ziehen lässt....

Annette Kirchner-Schröder, 10.4.2011    DWLF ID 0173      Email: Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können  

 
< zurück   weiter >
Spendenkonto: Zahnärzte ohne Grenzen,
Ev. Kreditgenossenschaft eG, Kassel
BLZ 520 604 10 – Kto. Nr.: 5 302 471
IBAN: DE 83520604100005302471 – BIC: GENODEF1EK1
© 2012 dentists without limits