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2011-4-/ Mongolei - Sambia / Fränkischer Tag - Anna Lienhardt: Porträt von Dr. Heiner Kraft |
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Geschrieben von Anna Lienhardt Email: a.lienhardt@infranken.de
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Mittwoch, 6. April 2011 |
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Dieser von Anna Lienhardt sehr gut nachempfundene Artikel erschien im März 2011 im "Fränkischen Tag"
Zähne ziehen in der Steppe
Projekt
Der Nürnberger Heiner Kraft war mit der Stiftung „Zahnärzte ohne Grenzen" in der Mongolei und in Afrika unterwegs. Dort hat er Nomaden versorgt, Zahnstationen aufgebaut und einheimische Zahnärzte ausgebildet.
Von unserem Redaktionsmitglied Anna Lienhardt
Nürnberg.
Als Heiner Kraft (66) von einem Erlebnis in der Mongolei erzählt, schwingt Respekt in seiner Stimme mit. „Einmal kam ein zehnjähriger Junge kilometerweit aus der Steppe zu unserer Zahnstation geritten. Ohne Sattel", sagt er. „Er steigt ab, lässt sich die Zähne ziehen. Dann springt er auf sein Pferd und reitet wieder davon."
Zwei Mal war der Nürnberger bisher in der Mongolei, mit der fränkischen Stiftung „Zahnärzte ohne Grenzen/Dentists without limits". Bei seinem ersten Besuch hat er von den Einheimischen gleich selbst ein Pferd geschenkt bekommen - als Dank für seinen Einsatz.
37 Jahre hat er am Stück gearbeitet, kaum Urlaub gemacht. Dann hat er seine Zahnarztpraxis in Nürnberg abgegeben. „Ich wollte endlich was von der Welt sehen", sagt er ernst.
Nach zwei Wochen im Ruhestand ist ihm Claus Macher über den Weg gelaufen. Der 64-Jährige ist der Präsident der Stiftung. „Claus meinte: Du hast doch jetzt Zeit und bist sozial eingestellt. Wir fliegen in vier Wochen in die Mongolei. Und du musst mitkommen."
Im August 2008 hat Heiner Kraft das erste Mal mongolische Zähne gesehen. Mit auf der Reise waren „transportable Einheiten": Behandlungsstühle zum Zusammenklappen und die dazugehörigen Instrumente. Damit ging es regelmäßig rauf auf den Jeep und raus in die Steppe. Viele Nomaden haben sich noch nie in ihrem Leben von einem Zahnarzt in den Mund schauen lassen.
„Dort sterben Menschen noch an ihren Weisheitszähnen," sagt der Nürnberger ernst. Eitrige Zähne, schwere Abszesse, völlig abgestorbene Zähne. Schlimm entzündete Wurzeln, die zur Blutvergiftung und damit zum Tod führen können. Das hat den 66-Jährigen erwartet.
Gut ausgebaute Straßen in die ländlichen Gebiete gibt es nicht, Autos besitzen die Nomaden keine. „Wer in die Stadt will, setzt sich aufs Pferd oder geht zu Fuß. Das dauert teilweise mehrere Tage." Doch nur in den Städten, können sich die Nomaden medizinisch versorgen lassen - wenn sie es sich leisten können.
Hier setzen die „Zahnärzte ohne Grenzen" an. Sie opfern einen Teil ihres Urlaubs und fliegen in Entwicklungsländer. Dort kümmern sie sich um die zahnmedizinische Versorgung von denen, die sie sich nicht leisten können. Oder schlichtweg zu weit weg leben. Geld wollen die Europäer nicht. Dafür lernen sie einheimische Zahnärzte an oder bilden sie weiter. Oft muss aber erst mal eine Zahnstation aus dem Boden gestampft werden.
Wo das nicht möglich ist, muss eben der Jeep her. Oder auch mal ein Boot - wie im südlichen Afrika. Drei Mal war Heiner Kraft mit der Stiftung dort. „Manche Dörfer kann man nicht anders erreichen, weil sie so tief im  Busch liegen." Die Afrikaner hat er dann auch gleich auf dem Boot behandelt. Claus Macher sagt: „Für mich ist es ein Erlebnis, mit diesem Mann zusammen zu arbeiten. Er schaut immer nach vorn, hat so viel Optimismus."
Wenn Heiner Kraft von Sambia und der Mongolei redet, spricht er schneller, gestikuliert mit seinen Händen. „Dass man dort wirklich helfen kann, erweckt in einem das Gefühl der Erfüllung. Zeit spielt keine Rolle. Und die Menschen sind immer freundlich." Ein Lächeln offenbart seine weißen Zähne, als er von dankbaren Umarmungen der Einheimischen erzählt.
„Ich glaube, in Deutschland könnte ich nicht mehr als Zahnarzt arbeiten", sagt er nachdenklich. Hier hat er sich immer gestresst gefühlt, nach zehn Minuten haben die ersten Patienten auf die Uhr gesehen.
Im Oktober wird Heiner Kraft wieder im afrikanischen Busch unterwegs sein, für 2012 ist ein längerer Besuch in der Mongolei geplant. Dort wartet derweil sein Pferd auf ihn.
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