Das Stadtchen Tzetzerleg liegt in der Provinz (Aimag) Arkhangai in der Zentral-Mongolei, ist Provinz-Hauptstadt und liegt rund 550 Auto-km (bis zu 12 Std.) westlich von Ulan Bator.
Die Stadt hat ca. 35.000 Einwohner und verfügt über (fast) alle Einkaufsmöglichkeiten, incl. Internet, Hotels und Kneipen. Auch ein Container-Markt und ein Museum sind vorhanden.
Die Gegend ist eine Mittelgebirgslandschaft, ca. 1.800 m hoch gelegen, grün und an den Nordhängen der Berge bewaldet (Lärchen). Die Temperaturen können 35 Grad erreichen, aber es kann auch mal im Hochsommer unter 10 Grad abkühlen, Winterkleidung wäre aber fehl am Platze. Manchmal geht ein heftiger Regen auch in Schnee über, aber am folgenden Tag ist es wieder heiss.
Als Unterkunft stehen uns 2 Räume im Krankenhaus zur Verfügung, am selben Flur gelegen wie Praxis, Patienten-Toilette (auch unsere) und Küche, eine Dusche gibt es im ganzen Krankenhaus nicht (man kann aber im Guesthouse „Fairfield" für 2 $ duschen). Die Betten sind mit weniger als 180 cm Länge etwas kurz. Das Essen kommt aus der Klinik-Küche und ist einfach (Nudeln mit Kartoffeln und Kartoffeln mit Nudeln wechseln sich ab, gelegentlich etwas Reis, Gemüse oder Fleisch (Hammel, aber abbestellbar) dabei. Auch frisches Brot, hart gekochte Eier und Lipton´s Teebeutel werden gestellt.
Die Praxisräume befinden sich im Krankenhaus, gearbeitet wird an 2 chinesischen, modernen Einheiten mit je 2 Turbinen, 1 Mikromotor mit Winkelstück und Absaugung (letztere als Wasserstrahlpumpen mit geringer Saugkraft). 1 Kapselmischer, 2 Polymerisationslampen, 2 Apex-Finder und 1 Ultraschall-Gerät. An Instrumenten finden sich 40 Mundspiegel, Sonden (doppelendig: Sichelförmig + Distalsonde), Pinzetten (ohne Riffelung an den Branchen, was die Handhabung sehr erschwert), Unterfüllungsstopfer (doppelendig: Planstopfer + spatelförmig), Excavatoren (doppelendig) und Anrührspatel. Weitere Instrumente sind nicht vorhanden (wie Am-Pistolen, Am-Stopfer, Heidemann-Spatel oder Kugelstopfer etc.).
2 Injektions-Spritzen mit je 3 Ersatzspitzen sind aspirationsfähig, sofern Carpulen mit Lochstopfen Verwendung finden.
Die Turbinen-Wasserkühlung erreicht die Präparations-Spitze des Diamanten nicht. Es sollten deshalb extra kurze Dia´s Verwendung finden. Füllungsmaterial (Amalgam, Composites, Glasionomer), Anaesthetica, Endo-Instr. + Mat., Dia´s, Bohrer, Kleinteile sind abhängig vom Spenderwillen der Einsatzleute vorhanden oder auch nicht, in unserem Falle in ausreichenden Menge von den vorherigen Gruppen da gelassen. Ähnliches gilt für Desinfektionsmittel, Mundschutz und Handschuhe. Da die Praxis eigentlich eine Kinder-Praxis ist, müssen wir vorwiegend mit Kinder-Zangen chinesischer Bauart extrahieren, die mehr als gewöhnungsbedürftig sind. An Erwachsenen-Zangen liegen nur je 1 Zange für UK-Molaren, OK-Frontzähne und OK-Molaren re/li bereit. Den bis dato ungenutzten Drucktopf verwenden wir daraufhin mit bis zu 5 Steri-Zyklen täglich. Auch die Auswahl an Hebeln lässt sehr zu wünschen übrig, bes. schmale scharfe gerade Hebel fehlen.
Gearbeitet wird offiziell von 9-16 Uhr (die mongolische Kollegin geht dann), wir haben gelegentlich bis 21 Uhr geackert. Die mongolische Kollegin war anfangs wenig kooperationswillig, später haben wir uns gut verstanden (nach einer Gehirnwäsche durch Tuul).
Die Patienten erwarten von uns Wunder, total zerstörte Zähne wieder aufzubauen. Da eine Endo im Seitenzahnbereich nicht möglich ist, bleibt so mancher Zahn ohne Therapie, wenn die empfohlene Extraktion abgelehnt wird.
Die Wochenenden sind frei und ausgefüllt mit Freizeit-Aktivitäten, die vom Klinik-Chef organisiert werden (Besuch von Nomaden-Familien, von heissen Quellen mit Wellness, ein Wochenende im Ger-Camp am Grossen Weissen See). So ist für Abwechslung gesorgt und bleibende Erinnerungen an die grandiose mongolische Landschaft sind garantiert.
Dr. Ekkehard Schlichtenhorst, 10.-24.8.2010 Email:
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