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Trishuli in Nepal zum ersten Mal - eine andere Welt / Dr. Heike Reetz / Frühjahr 2010 Drucken E-Mail
Geschrieben von Dr. Heike Reetz Dr.Heike_Reetz@t-online.de   
Samstag, 31. Juli 2010

Erlebnisbericht über die Arbeit in Trishuli
Dr. Heike Reetz, Berlin        Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können  



Wieder um Erfahrungen reicher...
Es ist das 2. Mal, dass ich in Nepal ein einer Zahnstation arbeite. Das 1. Mal waren es 2 Wochen im SKMH bei Kathmandu, jetzt 1 Woche in Trishuli. Beide Orte sind nicht wirklich miteinander zu vergleichen. Das SKMH ist größer, mehr Menschen, mit denen man über die verschiedensten Themen diskutieren kann und von der Umgebung her ist es auch vielfältiger. Die Zahnstation in Trishuli befindet sich oberhalb der eigentlichen Stadt, auch in einer schönen, ruhigen Lage...........


                                            



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.........Arun (welcher sonst als Einheimischer die Behandlungen durchführt, wenn keine deutschen Zahnärzte vor Ort sind) und die Stuhlassistenz Bagwita bilden ein tolles Team. Es werden konservierende, prophylaktische, endodontische, ja sogar prothetische (kleine Prothesen, Kronen) und kleine kieferorthopädische Leistungen  erbracht. Beide haben gut von den deutschen Kollegen und Kolleginnen gelernt, was sie beide auch immer wieder selbst bestätigen.
Nach einer Woche Trekking auf dem Thamang-Heritage-Trail begann die leider nur einwöchige Arbeitszeit, täglich von 10.00 Uhr bis 15.00 Uhr, außer Samstag, da ist Feiertag. Die wohl am häufigsten durchgeführten Therapien waren, so wie auch im SKMH, Zahnextraktionen und Füllungen (eher bei den Kindern). Die älteren Menschen kommen hier erst zum Zahnarzt, wenn sie nach 2 Wochen Schmerzen diese nicht mehr aushalten und dann die Zähne nur noch los werden wollen. Schade eigentlich, wo man doch in der eigenen Praxis so viel Wert auf Zahnerhaltung legt. Aber es ist auch verständlich, denn sie haben teilweise lange Wege und auch nicht das Geld dazu, sich wie z.B. Endodontischen Maßnahmen  mit mehreren Sitzungen zu unterziehen. In der einen Woche war arbeitsmäßig nicht so viel zu tun. Durchschnittlich 8-10 Patienten suchten die Zahnstation pro Tag auf.

Die Kinder hier sind sehr viel tapferer als bei uns in Deutschland. Ich hatte für sie zu Belohnung Luftballons mitgebracht, was sich sehr schnell herum gesprochen hatte. Jüngere Patienten (zwischen 18 und 25 Jahren) legen inzwischen auch mehr Wert auf Prophylaxe und lassen sich gut von Arun und Bagwita anhand von Anschauungsmaterialien Ursachen und Folgen von Zahnerkrankungen erklären. Aufgrund der guten Teamarbeit in dieser Zahnstation ist es meines Erachtens nicht mehr erforderlich, als deutsche(r) Zahnärztin/-arzt am Stuhl zu arbeiten. Im Gegenteil, ich hatte eher das Gefühl, ihnen die Arbeit weg zu nehmen. Hilfe benötigen sie eher in den organisatorischen Angelegenheiten, wie z.B. Abrechnung, Ein-und Ausgaben-Kassenbuch, Arbeitsbekleidung (sie tragen eher Straßenkleidung), Recall der Patienten nach ordentlicher Befundaufnahme oder Müllentsorgung. Denn letztere findet immer noch in Form von Verbrennung an einer Mauer neben der Dentalstation statt, und was nicht verbrennt, das holen sich die Ziegen, die zeitweise dort herum laufen oder die 2 ½ jährigen süßen Zwillinge von Arun, die im gleichen Gebäude wohnen.
Die vorhandenen Materialien erscheinen mir übermäßig viel, da vermutlich jeder Behandler etwas aus eigener Praxis mitbringt. So häuft sich vieles an, was natürlich dann auch irgendwann verfällt. Es war gut, das Dr. K. Roeding mal mit den Farmulanten Inventur gemacht haben. So viel Instrumentarium und Materialien besitze ich nicht mal in eigener Praxis. Sollten die nächsten Kolleginnen und Kollegen zukünftig in Trishuli oder SKMH tätig sein, dann bitte erst vorhandenes nutzen. Arun deutete auch an, dass jede(r) deutsche Kollege/in erst einmal „aufräumt" und die Fächer so bestückt, wie er es aus eigener Praxis gewohnt ist. Für ihn ist dies vermutlich nicht erfreulich, denn er ist dort zu Hause und wir sind die „Gäste". Tiziano Terzani schrieb dazu in seinem Buch: „Das Ende ist mein Anfang": „Du bist nicht der Tourist oder Doctore, der die Welt verändern will, sondern du lernst verstehen, dass sie eigentlich in Ihrer Welt glücklich sind...."
In dieser einen Woche habe ich bei Ramesh Shrestha, in seinem Haus, gewohnt. Es ist ein sehr ordentlich, wohnlich gestaltetes Gästezimmer, wo man sich sehr wohl fühlt, aber auch sehr alleine ist,  wenn man so wie ich, nur alleine am Ort ist (obwohl das für diese Zahnstation völlig ausreichend ist). Das Essen ist sehr gut und reichhaltig, mit Liebe und Geschmack zubereitet, auch wenn es jeden Tag das Gleiche ist: Dhaal baath. Das Leben auf der Straße beginnt um 5.30 Uhr, es ist eben Nepal, aber auch daran gewöhnt man sich. Dadurch beginnt der Tag sehr geruhsam, was man sich manchmal für zu hause in der Hektik wünscht.An den freien Nachmittagen hat sich Bagwita rührend um mich gekümmert. Sie war sehr stolz, mir die ansässigen Power-Stations zu zeigen. Ich durfte an ihrem Englischunterricht teilnehmen, sie zeigte mir Trishuli, ihren Heimatort (1 Stunde Fußweg von Trishuli entfernt) und machte mich mit ihrer Familie bekannt. In dieser Zeit versuchte ich etwas Nepali zu lernen um mich mit den Einheimischen zu verständigen. Damit konnte ich in den letzten Tagen meinen Kontakt zu den Nepalis verstärken, obwohl ich ja nun schon zum 6. Mal in diesem Land bin.


Arun fuhr mich stolz mit seinem neuen Motorrad nach Nuwakot, die Residenz des 1.Königs von Nepal und zur „Famos Farm", einem super Hotel gleich in der Nähe. Auch das ist ein interessantes und schönes Plätzchen, was man sich unbedingt ansehen sollte.



Fazit: Es war wieder eine tolle Erfahrung, mit anderen Menschen in anderer    Umgebung zu arbeiten, und diese Erfahrung sollte eigentlich jeder einmal in seinem Leben machen!        

Dr. Heike Reetz
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