Mit zunehmender Höhe fielen glücklicherweise die Temperaturen, so dass wir nach dem Bezug unserer Zimmer in einem christlichen Gästehaus recht erfrischt die Zahnstation besichtigen konnten.
Vor Ort ist Herr Mariappan der ständig anwesende Ansprechpartn
er und Helfer. Er ist ehemaliger Bewohner des angrenzenden Kinderheimes, ausgebildeter Krankenpfleger und die „gute Seele" der Zahnstation.
Der erste Eindruck war sehr positiv. Alles, was man für eine gute Behandlung braucht, war an seinem Platz. Fehlende Materialien hatten wir mitgebracht.
Am nächsten Morgen begannen wir unsere Arbeit und nach kurzer Eingewöhnungszeit klappte alles wie gewohnt. Lediglich die immer wieder unverhofft a
uftretenden Stromausfälle brachten den Tagesablauf durcheinander. Da in Coonoor in diesem Jahr schon einige Kollegen vor Ort tätig waren, gibt es hier einen guten Behandlungsstand. Wir haben hier hauptsächlich Füllungen, viele Zahnreinigungen
und einige Extraktionen durchgeführt. Die fröhlichen und tapferen indischen Kinder haben wir sehr schnell in unser Herz geschlossen und so verging die erste Woche wie im Fluge.
Für die nächsten Tage war geplant, in zwei weiter entfernten Kinderheimen in Kodaikanal und Kallupatti zu arbeiten.
Dafür suchten wir in der Zahnstation die wichtigsten Instrumente und Materialen zusammen, die von Mariappan und unserem Fahrer Rajavel in einen Kleinbus verladen wurden. Die 20 Jahre alte mobile Einheit war glücklicherweise kurz zuvor auf Veranlassung unserer Vorgänger repariert worden und sollte gut funktionieren.
Nach ca. 6 Stunden Fahrt durch das unerträglich heiße Flachland erreichten wir Kodaikanal. Dieser Ort liegt ähnlich wie Coonoor über 2000 m hoch, und ist mit seinem angenehmen Klima und einem kleinen See für Inder ein beliebter Erholungsort. Das Kinderheim gehört mit seinen 74 Bewohnern zu den kleineren und sehr familiären Einrichtungen. Da ein Sturm die Telefonleitungen gekappt hatte, war man auf unsere Ankunft nicht vorbereitet. Trotzdem richtete man innerhalb kürzester Zeit einen Behandlungsraum und ein kleines Zimmer für uns her, so dass wir nach einer Stunde mit den Untersuchungen beginnen konnten.
Da es dort, anders als in Coonoor, bis jetzt keine regelmäßigen Zahnarztbesuche gab, war bald ein größerer Behandlungsbedarf erkennbar. So nutzten wir die drei folgenden Tage sehr intensiv, um wenigstens alle Schäden an bleibenden Zähnen versorgen zu können. Wir hatten wiederum
mit stundenlangen Stromausfällen zu kämpfen und mit dem Generator des Heimes konnten Turbine und Absaugung nicht gleichzeitig betrieben werden. Aus diesem Grund arbeiteten wir sogar einmal bis 23.00 Uhr, was aber unsere kleinen Patienten mit großer Geduld ertrugen. Pünktlich zum Stromausfall des vierten Tages war der letzte Zahn gezogen.
Die Herzlichkeit und Wärme, die wir in Kodaikanal spüren konnten, hat uns tief beeindruckt. Wir wurden liebevoll umsorgt und auch immer wieder mit neuen indischen Leckereien verwöhnt. Dementsprechend schwer viel uns der Abschied.
Kallupatti, der nächste Ort den wir besuchten, lag im Flachland. Dort herrschen im Sommer Temperaturen um die 40°C. Die mobile Einheit wurde in einer offenen Halle aufgebaut, die sonst für Unterricht, zum Essen und für verschiedene Veranstaltungen benutzt wird. Trotzdem war die Hitze kaum zu ertragen. In diesem Heim leben 274 Kinder und es war noch nie ein Zahnarzt vor Ort!
Wir hatten uns vorgenommen alle Kleinen zu
untersuchen, damit der nächste Einsatz gut vorbereitet werden kann. So arbeiteten wir wieder bis zum späten Abend,
auch in der Hoffnung, dass fallende Temperaturen alles etwas leichter machen. Leider ärgerten uns stattdessen in der Dunkelheit die
Moskitos und wir waren froh, als wir endlich unser Pensum für diesen Tag erreicht hatten. Am nächsten Morgen starteten wir früh, um die kühleren Stunden zu nutzen und hatten am Nachmittag alle Untersuchungen und noch einige Schmerzbehandlungen abgeschlossen. Hier wartet viel Arbeit und wir hoffen, dass bald ein anderes Behandlungsteam den Weg nach Kallupatti findet.
Wer einmal die Freude und Dankbarkeit in den Augen indischer Kinder sehen konnte, den lassen diese Erfahrungen nicht mehr los. Man kann hier mit einfachen Mitteln und seiner Arbeitskraft viel bewirken. So hoffen und glauben wir, dass das nicht unser letzter Einsatz in Indien ge
wesen sein wird.
Vor unserer Reise haben unsere heimischen Patienten wieder große Spendenbereitschaft bewiesen und so konnten wir Instrumente und Verbrauchsmaterialien im Wert von 592 € kaufen und mitnehmen.
Dafür möchten wir uns ganz herzlich bedanken
Rico Glävke und Laura Sebastian