Betreff: Rumänieneinsatz durchgeführt von der Zahnärztin
Annette Kirchner-Schröder

Rumänieneinsatz 22.4.-2.5.2010
Vulkanasche bedrohte meinen Flug nach Cluj Napoca. Nachdem mein Projektpartner Lorand Szüszner von den Johannitern aus Lauf sich bereits am frühen Morgen in einem Sprinter, beladen mit einer kompletten, wenn auch einfachen mobilen Zahnarztpraxis auf den langen Weg nach Rumänien gemacht hatte, hieß es einfach nur noch hoffen........
Lesen Sie hierzu auch die Artikel:
www.frankenpost.de/nachrichten/hofrehau/rehau/art2452,1260407
100524Int-DWLF Zm 11 2010
...........Und wir hatten Glück! Pünktlich landete ich auf dem mittlerweile gut ausgebauten Airport und kurze Zeit später trafen wir zusammen.
Am nächsten Morgen fuhren wir in das 85 km entfernte Bădăcin. Dort befindet sich das Heim CITOPH, eine Wohnstätte für momentan 127 Menschen, die in unterschiedlichem Grad überwiegend geistig behindert sind. Wir wurden freudig begrüßt und mussten schon beim Aussteigen einige Zähne anschauen.
In dem dortigen Arztzimmer konnten wir unsere „kleine Praxis" aufbauen. Es war ziemlich eng, so dass wir nur eine mobile Einheit anschlossen, die uns dankenswerterweise Dieter Lehmann (DWLF) zur Verfügung gestellt hatte. Am Nachmittag begannen wir mit der Behandlung, denn die Patienten waren inzwischen sehr ungeduldig geworden und jeder wollte der Erste sein. Da seit 1991 kein Zahnarzt mehr diese Einrichtung besucht hatte, sahen wir zum größten Teil desaströse Gebisszustände. Die Kommunikation mit den Patienten lief gut, da das Personal die Patienten liebevoll begleitete und das Vertrauen in „die Deutschen" riesig war.
Jeder Patient erhielt eine Zahnbürste am Ende der Behandlung. Dank der guten Assistenz von Lorand und der Unterstützung einer Zahnärztin aus Bistriţa, die 6 Stunden mit dem Auto angereist war, konnten in 2 Tagen insgesamt 54 Konsultationen mit Mehrfachbehandlungen durchgeführt werden. Wir extrahierten knapp 70 Zähne und versorgten 16 Zähne mit Füllungen. Für die schwierigen Arbeitsbedingungen (ungewohnte Arbeitshaltung, da die Patienten auf einem Bürostuhl saßen, schlechtes Licht, ungenügende Absaugung) war das ein gutes Ergebnis. Zum derzeitigen Stand der Befunde sind allein bei den untersuchten Patienten noch 140 Zähne zu entfernen und 114 Füllungen zu legen, so dass ein erneuter Einsatz für September geplant ist. Viele Patienten wurden von ihren monatelangen Schmerzen befreit und ihre Begeisterung war grenzenlos.
Unser nächster Einsatzort lag ca. 140 km weiter südlich in Luncani. Dort gibt es ein Haus, in dem jungen Menschen (vorwiegend Roma) leben. Sie kommen aus zerrütteten Familien oder kennen ihre Eltern nicht. Das Heim wird von Gerhard Spitzer geleitet, einem Österreicher, der seit 20 Jahren in Rumänien lebt. Es wird versucht, den ca. 15-20 Bewohnern, die zwischen 14 und 32 Jahren alt sind, eine Berufsausbildung zu ermöglichen und sie mit den Regeln eines sozialen Zusammenlebens vertraut zu machen. Für eine Zahnarztbehandlung dieser Jugendlichen fehlt das Geld, denn in Rumänien gibt es nur privatzahnärztliche Praxen.
Wir bauten unsere Technik und Materialien im Eingangsbereich der Wohnstätte (ein umgebauter Stall) auf. Unter regem Interesse Aller wurden die einzelnen Behandlungen durchgeführt, auch hier erst einmal überwiegend Extraktionen.
Jeder gezogene Zahn wurde mit Applaus der mitfühlenden
Zuschauer bedacht. Wir arbeiteten bis kurz vor Mitternacht, da fast jeder eine Behandlung wünschte.
Am nächsten Morgen verließen wir Luncani gegen 6:00, da wir eine Fahrt von über 200 km vor uns hatten und der Arbeitstag in der Zahnstation von DWLF in Lunca Ilvei um 9:00 Uhr beginnen sollte. Diese Praxis, in der Dr. Bogdan Carp arbeitet, wird seit dem vergangenen Jahr mit einem Prophylaxeprogramm für Grundschüler begleitet. Bei diesem Einsatz waren die Kinder aller dritten Klassen einbestellt worden. Wir untersuchten 36 Kinder und versiegelten dabei 127 Molaren und Prämolaren, extrahierten rund 20 Milchzahnwurzelreste und legten einige Füllungen. Außerdem wurden die Zähne fluoridiert. Jedes Kind bekam einen Becher mit Zahnbürste und einen Zettel für die Eltern mit, um diese über den weiteren Behandlungsbedarf zu informieren. DWLF-Mitglied Anne Meurer unterstütze uns tatkräftig bei diesem Prophylaxeprogramm.
Unser Einsatz fand großen Anklang in den Medien. In den Nachrichten der 4 großen regionalen Fernsehsender waren Bilder und Interviews zu unserem Projekt zu sehen.
Da wir bei un serem Aufenthalt in Luncani gesehen hatten, wie viel Behandlungsbedarf noch besteht, fuhren wir noch einmal dorthin zurück, um zum dritten Mal die gesamte Praxis aufzubauen. Der Lagerraum war für uns gesäubert und lange Tische mit weißen Tischdecken waren für unsere Instrumente und Materialien vorbereitet worden. Endlich einmal hatten wir genügend Platz und Ruhe, um alles möglichst optimal aufzubauen.
Am ersten Mai, denkwürdigerweise der Tag der Arbeit, behandelten wir noch einmal 12 Stunden, unterbrochen durch zwei kleine Essenspausen. Insgesamt konnten wir in Luncani 36 Konsultationen durchführen, bei denen wir unter anderem 31 Zähne entfernten und 36 Füllungen legten. Der Leiter des Hauses und seine Bewohner waren überglücklich! Unser Einsatz wurde mit einer kleinen Grillparty würdig gefeiert und am nächsten Morgen räumten wir zufrieden auf, verluden alle Sachen in den Sprinter und wurden von Lorand am Flughafen von Cluj verabschiedet, bevor er selbst seine 16-stündige Heimreise antrat.
Dieser Einsatz hat uns allen viel Kraft abverlangt, aber wir haben mit viel Herzblut und Flexibilität alle Schwierigkeiten gemeistert. Dafür möchte ich mich bei Lorand und Anne ganz herzlich bedanken.
Annette Kirchner-Schröder
Anmerkung von DWLF:
Der die Aktion begleitende Johanniter aus Lauf bei Nürnberg, Lorand Szüszner
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- mit dem wir auf verschiedenen Gebieten seit Jahren zusammenarbeiten und ohne den übrigens dieser Einsatz nicht möglich gewesen wäre und dem auch ein besonderer Dank gebührt - schrieb uns am 16.05.2010 unter anderem über seine erfolgreiche Pressearbeit:
"In Rumänien haben wir drei Kamerateams zu Interviews eingeladen:
TVR1
Antenne
Reality-TV
Gesichert erfolgte bisher eine Berichterstattung in TVR3, Antenne und Reality-TV - hier etwa 15 Minuten in Zusammenhang mit medizinischer Versorgung in RO."
Ein Beipiel, dass die effektive Vernetzung von Helfern aus verschiedenen Organisationen Resultate hervorbringt, die auch für die Fernseh-Medien nicht alltäglich sind.
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