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Neues Land - neue DWLF Zahnstation in Bangladesh /Maerz/2010 Drucken E-Mail
Geschrieben von Dr. Gerhard Görgl, Höchstadt/Aisch Tel. DWLF ID 0306   
Donnerstag, 25. März 2010

Bericht über meine Pionier-Reise nach Bangladesh vom 5.3.1010 bis 11.03.2010

von Dr. Gerhard Görgl,   Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können

goe1._empfang_dorfschule_klein.jpgIm März 2010 war ich mit meiner Frau auf einer Informationsreise in Bangladesh. Ziel war es, einen Eindruck von Land und Leute zu bekommen und die Möglichkeit der  Einrichtung einer Zahnstation für DWLF zu erkunden.
Unsere Reise führte mit zwei Flügen von München über Dubai nach Dhaka, die Hauptstadt von Bangladesh. Dort wurden wir von Dr. Hamidul Haque, dem Leiter des Vereins „BESCO -Hilfe für Bangladesh e.V." mit Sitz in Höchstadt/Aisch , und seinem Neffen am Flughafen empfangen.

.......Als Verkehrsmittel wurde eine kleiner Bus mit Fahrer gemietet. Auf keinen Fall ist es zu empfehlen, sich selbst ein Auto zu mieten und auch noch selbst zu fahren. Der Verkehr ist absolut chaotisch. Regeln existieren nur theoretisch.  Man verfährt nach der Devise „Der Stärkere gewinnt". Nachdem wir in einem für europäische Verhältnisse     goe2._verteilung_zahnbuersten_klein.jpgMittelklassehotel übernachtet hatten, fuhren wir am nächsten Tag nach Kushtia. Kushtia liegt ungefähr 200 km östlich von Dhaka, nicht weit weg von der indischen Grenze, und hat ca. 80.000 Einwohner. Die Fahrt dauerte ca. sechs Stunden.  Dort befindet sich der bengalische Teil der  Hilfsorganisation BESCO.  Wir wurden außerordentlich herzlich empfangen.
Tourismus gibt es in dem Gebiet gar nicht. In der Stadt selbst haben wir in der gesamten Woche nicht mehr als zehn Privatautos gesehen. Als Transportmittel werden Rikschas benutzt.  Wir haben kein einziges Mal einen weißen Ausländer gesehen. Gewöhnungsbedürftig war daher für uns die Tatsache, dass wir überall, wo wir hinkamen, von einer Menschentraube umringt waren. Voller Neugierde wurden wir von allen Seiten begutachtet.

Am nächsten Tag ging es dann zur Schule von BESCO, die sich ca. 15 Kilometer außerhalb von Kushtia befindet. Wir konnten unsere Zahnbürsten und Zahnpasta verteilen und natürlich auch ein paar kleine Spielsachen für jedes der 180 Kinder und zwei Fußbälle.

Es ist geplant, neben der Schule eine Krankenstation zu errichten. Wir durften an der Zeremonie zur Grundsteinlegung teilnehmen, was ein außerordentlich schönes Erlebnis war. Dort hatte ich gedacht eine Zahnstation einrichten zu können. Allerdings ist es meiner Meinung nach nicht zumutbar europäische Zahnärzte dort unterzubringen. Diese Schule befindet    goe3._besco-haus_klein.jpg sich in einer ländlichen Gegend ohne jegliche Infrastruktur. Es führt die letzten 800 Meter nur ein Feldweg zur Schule. Man   kann dort nichts kaufen und müsste auch erstmal Unterkünfte für die Zahnärzte errichten. Abends würde man völlig auf sich alleine gestellt sein, weil die Angestellten der Schule und der zukünftigen Krankenstation entweder in den umliegenden Dörfern oder in der Stadt Kushtia leben. Auch Strom existiert im Moment noch nicht. Daher halte ich es für sinnvoller, die Zahnstation in Kushtia zu errichten. Dort gibt es mehr als genug Arme, die Hilfe benötigen und zur Schule oder in Dörfer müsste man dann eben mit einer mobilen Einheit fahren.

Als Standort für die Zahnstation würde sich das Gebäude der Hilfsorganisation BESCO anbieten. Wir könnten dort einen größeren Raum für die Behandlungseinheit und einen kleineren als Steri bekommen. Außerdem werden dort zwei Doppelzimmer mit jeweils einem Bad als Unterkunftsräume eingerichtet.  Die Kosten für die Unterkunft wären moderat. Die Unterkunft inklusive Vollpension mit drei Mahlzeiten am Tag soll 15 bis 18  Euro pro Person kosten, je nachdem wie viele Personen die Unterkunft nutzen. Das Essen war übrigens sehr lecker, wenngleich man natürlich scharfe Küche mögen muss.
Unbedingt notwendig wäre für die Zahnbehandlung die Anschaffung eines Notstromgenerators. In der gesamten Stadt fiel  jeden Tag zwei bis drei Mal für jeweils ca. zwei Stunden der Strom aus. Somit müsste dann immer die Behandlung unterbrochen und gewartet werden bis der Strom wieder vorhanden ist. An effektives Behandeln ist da nicht zu denken.   goe4._auszeichnung_klassenbesten_klein.jpg Das Haus besitzt zwar Notstrom über eine Batterie, mit dieser Batterie können jedoch nur zwei Lampen im Haus für ca. zwei Stunden betrieben werden.
In der Zahnstationen selber würde dann ein sogenannter Paramedic arbeiten. Wie uns erklärt wurde sind dies keine richtigen Zahnärzte oder Ärzte, sondern haben nur einen Teil der Ausbildung. Er darf jedoch Zähne ziehen und könnte daher eine Minimalversorgung für die Armen sicherstellen. Die Kosten dafür würden von BESCO aufgebracht werden.
Ein Problem stellt noch die Arbeitsgenehmigung im Sinne von DWLF dar. Wie in Indien ist es zur Zeit nicht möglich, eine generelle Arbeitsgenehmigung für DWLF-Zahnärzte zu bekommen. Es wird nur eine personenbezogene Arbeitsgenehmigung ausgestellt. Als Kompromiss wurde mir zugesichert, dass BESCO die Arbeitsgenehmigungen organisiert und auch dafür eventuell anfallende Kosten übernimmt. Dies könnte man goe5._abschiedsfest-klein.jpgauch vertraglich festlegen.

Im weiteren Verlauf der Reise haben wir noch an vielen Zeremonien zur Auszeichnung der Klassenbesten in diversen Schulen teilgenommen. Die besten Schüler bekamen jeweils eine Urkunde und, was noch viel wichtiger war, Geld. Von uns bekamen sie natürlich Zahnbürsten und Zahnpasta.
An den letzten Tagen nahmen wir noch an der Urkundenverleihung für die Frauen eines Nähkurses und an einem sehr schönen für uns durchgeführtem Abschiedsfest teil. Insgesamt lernten wir viele freundliche Menschen einer für uns zuvor fremden Kultur kennen. Wir waren auch sehr überrascht, wie gut organisiert das dicht gedrängte Programm war. Es wäre schön, wenn sich das Projekt „Zahnstation" in diesem unterentwickeltem Land realisieren ließe.

 
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