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Team aus AU+D findet sich in Indien/Coonoor 3.2010 Drucken E-Mail
Geschrieben von Dr. Kira Olbrecht   
Freitag, 5. März 2010

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Düsseldorf, den 2.3.2010


Einsatzbericht Coonoor- Indien


Am 22. Februar startete ich meine Reise nach Indien, um 3 Wochen in Coonoor tätig zu sein. Nachdem ich trotz verspäteten Abflugs rechtzeitig in Chennai (Madras) landete, war ich in für indische Verhältnisse unglaublichen 20 Minuten durch die Einreiseformalitäten und Zoll am nationalen Abflug schon wieder eingecheckt, und lief direkt Magdalena Walder in die Arme, eine Zahnmedizinische Fachkraft der Universität Innsbruck, die mit mir in den Einsatz kam. Die Chemie stimmte auf Anhieb und wir vertrieben uns die Wartezeit bis zum Abflug mit Kennenlernen.......

..........In Coimbatore gelandet, wurden wir am Flughafen von unserem Fahrer zielsicher unter der Handvoll Europäer identifiziert und zu unserem 30 Jahre alten Bus-Transporter gebracht, dessen Dieselmotor noch zuverlässig tuckerte und seinen Beitrag zu den schier unglaublichen Abgaswolken im indischen Straßenverkehr beitrug.
bild5_klein.jpgDieser ließ uns dann auch schlagartig wieder wach werden. Linksverkehr bedeutet hier eigentlich nur, dass eventuell rechts überholt werden sollte. Allerdings gilt dies eher für größere Fahrzeuge. Ansonsten schlängelt sich alles was Räder und Füße hat umeinander, und dies mit einem ständigen Gehupe. Unser Fahrer steuerte uns aber mit sicherer Hand durch dieses Chaos bis nach Coonoor.
Den ersten Tag, ein Sonntag, nutzten wir zur Akklimatisierung und Erkunden des Ortes, der in den Nilgiri-Bergen in Südindien liegt. Als Europäer waren wir hier auffällig und wurden von fast allen Menschen am Wegesrand sehr neugierig beschaut und freundlich gegrüßt. Als wir eine Gruppe Kinder fotografierten, hielten prompt 2 Wagen mit indischen Wochenendtouristen, die uns als begehrtes Fotoobjekt entdeckten und nach freundlicher Nachfrage begeistert Fotos mit uns machten. Dies sollte uns bei Ausflügen noch öfters passieren.
Am Montag stellten wir uns bei dem Leiter und sonstigen Verantwortlichen der Christlichen Missionsstation (CMS) vor, in deren Hospital die Zahnstation des DWLF untergebracht ist. In Indien hat der DWLF bzw. deutsche Zahnärzte keine Anerkennung zur Arbeit, und so sind die Zahnstationen unter der Schirmherrschaft der CMS, die 74 Kinderheime in Südindien betreibt. Deshalb können dort nur die Waisen bzw. Angehörige der CMS behandelt werden. In dem alten und inzwischen nur noch als Ambulanz genutzten Ingrid-Kowski-Hospital erwartete uns ein hell renovierter Behandlungsraum mit einer knapp 2 Jahre alten Einheit. Freudig überrascht haben wir am ersten Tag erst einmal Inventur gemacht und so auch einen Überblick über die vorhandenen Instrumente und Materialien erhalten.
Mit Mariappam, dem örtlichen Krankenpfleger und inzwischen auch gut ausgebildeten Zahnarzthelfer, und einem CMS-Manager haben wir dann die Organisation der weiteren Woche durchgesprochen. Das Wort Organisation muss hier allerdings neu definiert werden: man bespricht, was gemacht werden soll, unterhält sich dann noch mindestens 3 Mal darüber, und kann froh sein, wenn ein kleiner Teil davon realisiert wird. Ist z.B. der Behandlungsbeginn für 9 Uhr vorgesehen, passiert vor 10/11 Uhr bestimmt nichts; für mich eine deutliche Übung in Geduld.bild2_klein_hell.jpg
bild6_klein.jpg
Da der nächste Tag indischer Nationalfeiertag war, wollten wir möglichst viele Schulkinder untersuchen, die sonst auch Samstag Schule haben. Erst einmal waren wir aber morgens zu den               Feierlichkeiten eingeladen, bei denen viele Reden gehalten und von den Kindern und Jugendlichen Tänze und Akrobatikaufführungen gezeigt wurden. Nach einem indischen Frühstück, das eine komplette warme Mahlzeit darstellt, ging es gestärkt zur Arbeit und wir haben über 100 Kinder   bild3_klein.jpg untersucht. Ca. 40-50% hatten eine Dentalfluorose, die man hier in all ihren Ausprägungen sehen konnte.
bild4_klein.jpgAuch musste ich erst lernen, die fast immer schwarz verfärbten Fissuren einzuschätzen, die nur in den wenigsten Fällen weiche aktive Karies verdeckten. An den bleibenden Zähnen hatten viele Kinder schon kurz nach Durchbruch der bleibenden Zähne massiv Zahnstein, ausreichend Arbeit für Magdalena, die nach mir noch weitere 4 Wochen vor Ort die Mundhygieneinstruktionen und Zahnreinigungen machen sollte.
Ab dem nächsten Tag kamen kleinere Gruppen zur Untersuchung, und ich konnte die notwendigen Behandlungen direkt durchführen. Genau wie bei uns hatten viele Patienten Angst vor der Behandlung, doch ließen sie sie meist bereitwillig durchführen, und kaum ein paar Minuten später strahlten sie schon wieder freundlich und glücklich über die überstandene Behandlung. Insgesamt waren ca. 30% der Untersuchten behandlungsbedürftig, weitaus weniger, als ich erwartet hatte. Dabei waren Milchzähne häufiger und tiefer zerstört, bei den bleibenden Zähnen waren überwiegend kleinere Füllungen zu machen.

Spannend wurde es dann noch mal, mit einer mobilen Einheit weiter entfernte Kinderheime aufzusuchen. Mit so einer Einheit hatte ich noch nie gearbeitet, und es erwies sich dann auch als eher schwierig. Während die Turbine im Schmelz steckenblieb, drehte der Rosenbohrer auf vollen Touren. 
Die Behandlungsliege, einer Sonnenklappliege nicht unähnlich, klappte bei größeren Jugendlichen mit diesen zusammen, während die Kleineren wie auf einer Rampe gen Fußende rutschten. Nach zwei eher schlechten als rechten Füllungen habe ich mich vor Ort auf Extraktionen beschränkt und die Kinder, die dauerhafte Füllungen oder schwierigere Extraktionen brauchten, nach Coonoor bestellt. Bei den häufigen Stromausfällen stellte sich die mitgebrachte Halogenkopflampe als wahrer Glücksgriff heraus.
In Coonoor waren wir seltener von Stromausfällen betroffen, und in der Zahnstation konnte man wirklich gut behandeln und europäische Hygienestandards aufrechterhalten; für indische Verhältnisse paradisische Zustände.
In der letzten Woche kamen auch CMS-Angehörige und einige Angestellte des Guesthouses mit ihren Familien zur Behandlung. Da konnte man den Behandlungsbedarf in der armen Bevölkerung einschätzen: tief zerstörte Zähne und Wurzelreste oder stark fortgeschrittene Parodontitis, fast nur Extraktionsfälle. Es wäre schön, wenn hier eine Grundlage gefunden werden könnte, die Zahnstation auch für die arme Bevölkerung zugänglich zu machen.

Der Aufenthalt in Coonoor war für mich sehr bereichernd und ich habe das Land und die Menschen auf eine Weise kennengelernt, die einem als Tourist sonst verborgen bleibt.


 

 
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