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2010-1 / Wo-Man Power in Coonor / Indien Drucken E-Mail
Geschrieben von Jennifer Must   
Samstag, 6. Februar 2010
Reisebericht Coonoor (Süd-Indien)von Dr. Volker Schmidt (DWLF ID 0003; Email: Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können )
und Jennifer Must, Nürnberg

behandlung.jpgAm ersten Weihnachtsfeiertag flogen wir mit Emirates Airlines zunächst von München via Dubai nach Chennai, dem früheren Madras (Preis ca. € 700,- pro Person). Von dort ging es dann mit Jet Airways ins Landesinnere nach Coimbatore (Preis ca. € 60,- pro Person). Es gibt auch andere Reisemöglichkeiten, die evtl. sogar etwas kostengünstiger sein mögen (z.B.  Direktflug nach Bombay oder Neu Delhi plus Inlandsflug nach Coimbatore). Am Flughafen ............

............erwartete uns schon ein Fahrer des Christian Mission Service (CMS), mit dessen Wagen wir die letzte, recht abenteuerliche Etappe von zweieinhalb Stunden Dauer hinauf in die Berge um Coonoor in Angriff nahmen. Dort angekommen wurden wir dann für die Reisestrapazen mit einer wunderschönen Mittelgebirgs-Landschaft entlohnt, die geprägt ist durch den Tee-Anbau in diesem Gebiet.
Coonoor liegt in den Nilgiri Mountains des Bundesstaates Tamil Nadu im Süden Indiens. Bereits während der Kolonialzeit erkannten die Engländer, dass dort auch in den heißen Sommermonaten ein durchaus angenehmes Klizimmer.jpgma herrscht. Sie verlegten deshalb ihren Regierungssitz für diese Zeit sogar nach Ooty, der           guesthouse.jpg nächstgelegenen größeren Nachbarstadt von Coonoor.
So entstanden wunderschöne Kolonial-Anwesen, idyllisch gelegen inmitten der Teeberge. Eines dieser Kolonialhäuser wurde zum Brooklands Guesthouse erweitert, unserer Bleibe während des Aufenthaltes in Coonoor. Die Zimmer des Guesthouses sind relativ einfach aber funktionell eingerichtet. Bad mit Warmwasser, Dusche und WC sind in jedem Zimmer vorhanden. Das Personal besticht durch  Charme, großartige Freundlichkeit und enormer Hilfsbereitschaft. Die Verpflegung ist wirklich erstklassig, umfangreich (Frühstück, Mittagessen, Teatime mit Gebäck, Abendessen) und trotz der zuweilen etwas scharfen Speisen auch für europäische Gaumen ein Genuss. Die Kosten für unsere Übernachtungen inklusive Vollpension im Guesthouse wurden übrigens komplett von CMS übernommen, so dass der Aufenthalt in Coonoor extrem günstig ist. Es empfiehlt sich lediglich einen Schlafsack von zuhause mitzubringen, da die Nächte doch sehr kalt werden können.
Vom idyllisch geledental_station.jpggenen Guesthouse führt ein Fußmarsch von knapp zehn Minuten Dauer zum Kinderheim des CMS, wo die von der Stiftung unterstützte Zahnstation  untergebracht ist. Das Kinderheim beherbergt ca. 160 Kinder im Alter von fünf bis fünfzehn Jahren. In erster Linie handelt es sich dabei um Waisen oder Halbwaisen, aber auch um Kinder sehr armer Familien, die ihren Lebensunterhalt als Tagelöhner verdienen, ihre Kinder nicht ernähren können und sie deshalb in die Obhut des CMS geben . Die Zahnstation ist aufgrund der großartigen Vorarbeit der deutschen Projektmanagerin (Frau Dr. Ulla Heilemann aus Berlin) nach europäischen Maßstäben eingerichtet und wird von Mariappan      kids2.jpg betreut. Er ist selbst in dem Kinderheim aufgewachsen und hat eine dreeinhalbjährige Ausbildung in Zahnmedizin und Psychologie. Mariappan kümmert sich liebevoll und engagiert um die Kinder und hält in der Zahnstation vorbildliche Ordnung und Hygiene Im Sinne die DWLF ein wahrer Glücks-griff! Selbstverständlich hatten auch wir einiges an zahnärztlichem Material im Gepäck: ca. 15 Kilogramm Kunststoffe, Bonding, Nahtmaterial, Desinfektionsmittel, chirurgische Instrumente etc. An dieser Stelle möchten wir ukids1.jpgns ausdrücklich für die großzügigen Spenden der Firmen Pluradent, Coltène Whaledent, 3M Espe, Ivoclar Vivadent und Dentsply bedanken. Wir sind sicher, dass die Materialien in der Zahnstation von großem Nutzen sein werden. An dieser Stelle sei die Empfehlung erlaubt, dass Behandler möglichst ihre eigenen Handschuhe mitbringen sollten. Es sind zwar Handschuhe vorhanden, allerdings nicht in allen erdenklichen Größen.
Unsere Behandlungen erstreckten sich in erster Linie auf die Extraktion zerstörter Milchzähne und vor allem das Entfernen von Zahnstein. Für prophylaxe-orientierte Kolleginnen und Kollegen (und selbstverständlich auch für Helferinnen) ein wahres Eldorado! Schon die Sechsjährigen haben teilweise Mauern von Zahnstein, denen es mittels Ultraschall-Gerät den Garaus zu machen gilt. Überraschenderweise hält sich die Anzahl kariöser bleibender Zähne in Grenzen. Offenbar wird beim CMS ein gewisser Wert auf zahngesunde Ernährung gelegt oder es gibt einfach nichts Süßes. Vereinzelt mussten wir größere chirurgische Eingriffe tätigen, wie das Entfernen von Mesiodentes, verlagerten Zähnen oder von Wurzelresten. In Absprache mit Frau Dr. Heilemann würden wir empfehlen, nach und nach bei den Kindern die bleibenden Zähne zu versiegeln. Genug Zeit dafür sollte vorhanden sein .behandlung.jpgDa in der Zahnstation nur Platz für einen Behandlungsstuhl ist, erscheint uns diese für eine Zahnärztin bzw. einen Zahnarzt und maximal eine Helferin bzw. eine/n Famulanten/-in als geeignet. Die Kinder von CMS lernen erst relativ spät Englisch, so dass die Übersetzung durch Mariappan und damit dessen Anwesenheit unbedingt notwendig ist. Außerdem stellt Mariappan für die Kinder auch eine Vertrauensperson dar, dessen beruhigenden Einfluss wir schnell zu schätzen lernten, als die ersten Tränen kullerten. Vorstellbar ist auch, dass parallel zur Behandlung am Stuhl in den Schulklassen mit Hilfe eines Lehrers als Dolmetscher Mundhygieneunterweisungen durchgeführt werden. Wie gesagt: Prophylaxe ist dringend notwendig!
Auch wenn kein deutscher Kollege bzw. keine deutsche Kollegin vor Ort ist, wird die zahnärztliche Versorgung in der Station durch einen ehemaligen indischen Militär-Zahnarzt gewährleistet, der immer freitags gegen eine geringe Bezahlung durch CMS nach dem Rechten sieht. Außerdem ist auch gewährleistet, dass nicht nur die Kinder aus dem Heimkovalam.jpg und das Personal sondern auch Arme aus der Umgebung kostenlos behandelt werden.
Die wunderschöne Landschaft um Coonoor lädt zu ausgiebigen Spaziergängen oder Wanderungen während der Freizeit ein. Stundenlang kann man sich im Guesthouse und in der Umgebung über das bunte Treiben der einheimischen Affemadurai.jpgnwelt amüsieren. Ein Ausflug zum Markt in die Innenstadt von Coonoor oder in den Sim's Park lohnt allemal. Auch bietet sich an, mit der Nilgiris Mountain Railway einen Ausflug nach Ooty zu unternehmen. Gerne organisiert der Guesthouse-Manager einen Fahrer, der einen für wenig Geld in den Mudumalai Nation Park oder aber auch zu einer    Teefabrik bringt. Langweilig sollte es einem in Coonoor jedenfalls nicht werden. Weiter entfernte Ausflugsziele sind aufgrund der schlecht ausgebauten Straßen nur     mit hohem Zeitaufwand erreichbar. Doch bietet es sich an, den Aufenthalt in Coonoor anschließend durch einen Abstecher ins benachbarte Bundesland Kerala (Backwaters, Kuttanad, Kochi...) oder den Besuch der Höhepunkte Tamil Nadus (Mamallapuram, Pondicherry, Chettinad, Trichy, Tanjavur, Madurai  abzurunden. Zur Erholung eignet sich eine Vielzahl wunderschöner Strände Südindiens [KOVALAM]. Das         Studium von Reiseführern oder Reiseberichten im Internet hilft hier weiter.
Unser Fazit lautet daher: sehr gut geführte Zahnstation, ganz liebe Kinder, ein absolut empfehlenswertes      Reiseziel!
Eine weitere Zahnstation entsteht derzeit in Dharmapuri (ca. fünf Stunden Fahrzeit von Chennai entfernt). Dort gibt es ebenfalls ein Kinderheim vom CMS, in dem ca. 240 Kinder leben. Wir hatten Gelegenheit, die Örtlichkeiten zu besichtigen, die Planungen zu unterstützen und dem Stations-Leiter bei den Umbauarbeiten  mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Wir sind sicher, dass auch dort bald ein lohnendes Reiseziel entsteht. Die Kinder des Heimes freuen sich jedenfalls schon!

 
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