|
Anmerkung der Geschäftstelle Nov. 2009: Der schöne Artikel ist leider jetzt erst gefunden worden; er hat nicht an Aktualtität verloren und die dazugehörigen Bilder werden nach und nach eingesetzt. Inzwischen sind aus den drei ADF`s gestandene approbierte Zahnaerztinnen (AD) geworden.
Eine interessante Arbeitsgruppenreise 2008
v. Anna Macher ADF Mobile: 0049-171 - 444 0705
Wir, die 3 Zahnmedizinstudentinnen aus Leipzig hatten die Idee, unsere letzten Semesterferien des Studiums vor unserem Staatsexamen für eine Famulatur in Nepal zu nutzen.
Einerseits wollten wir das Land kennenlernen, uns gleichzeitig aber auch für einen guten Zweck engagieren. Über die gemeinnützige Stiftung „Zahnärzte ohne Grenzen" (Dentists Without Limits Foundation; DWLF), die sich für die Entwicklung der zahnmedizinischen Versorgung unter anderem auch in Nepal einsetzt, lies sich unser Vorhaben realisieren. Nach ein paar Wochen Vorbereitung ging´s dann los in die Hauptstadt Kathmandu.
.......Nachdem der erste Kulturschock überwunden war und wir uns drei Tage in Kathmandu mit der uns völlig fremdartigen hinduistischen und tibetanisch-buddhistischen Kultur durch Besichtigungen und Wanderungen vertraut gemacht hatten, fuhren wir mit dem Bus nach Pokhara.
Wir hatten die Aufgabe von DWLF, uns einige Stellen für die Gründung von Zahnstationen anzusehen und mit den Leuten vor Ort zu sprechen, in Orten, in der eine DWLF Mitarbeiterin Frau Dr. Heike Reetz aus Berlin schon vor ca. einem Jahr vorgefühlt hatte.
Von Pokhara, am Fuß der Annapurna - Range gelegen - starteten wir unsere Erkundigungstour.
Zusammen mit 10 anderen furchtlosen Touristen begaben wir uns auf einen waghalsigen Flug, der uns auf 3000m Höhe nach Jomosom brachte. Wir hatten einen Guide und zwei Porter angeheuert, die uns den schwersten Teil unseres Gepäckes trugen. Von hier aus ging´s zu Fuß Berg auf, Berg ab von Lodge zu Lodge. Auf 4000m in dem berühmten Pilger- Tempel in Muktinath, der Vishnu geweiht ist und neben der heiligen Quelle steht, holten wir uns Glück für das ganze Leben, indem wir an etlichen Gebetsmühlen drehten, Glocken bimmelten und Steinhaufen errichteten.
In diesen höheren Lagen war es der Sauerstoffmangel der uns bremste, in tieferen Regionen waren es Esel und Ochsen, die uns auf dem engen Pfad durch das tiefste Tal der Welt, des Kali Gandaki den Weg streitig machten. Nach unzähligen Klöstern, Tempeln, Hängebrücken und Blasen an den Füssen freuten wir uns 10 Tage später auf Fleisch und saubere Klamotten.
Am Ende waren wir uns aber einig: Alle Strapazen wurden durch die schöne Landschaft und die tollen Sonnenaufgänge wieder wett gemacht!
Als zahnmedizinische Ausbeute der Trekkingtour freuen wir uns, dass wir drei geeignete Standorte für mögliche Zahnstationen ausfindig machen konnten.
Bei unserer Rückkehr in Kathmandu erwarteten uns zwei Zahnärzte von DWLF und die Geschäftsführerin der Stiftung, die mongolische Chirurgin Tuul Sodnompil. Wir trafen Samita, eine junge Frau, die zu Hause unter sehr schwierigen Bedingungen lebt und der DWLF die Ausbildung zur Dental Hygienist (Dental Paramedic -sie darf später auch Zähne ziehen) bezahlt. Sie hat Halbzeit und
1 1/2 Jahre hinter sich. Ihre Noten werden eingesehen und wir sind stolz auf sie. Sie macht sehr gute Fortschritte.
Nun mussten wir unser Dental Camp vorbereiten. Dr. Heike Reetz hatte schon im Dezember eine tragbare Einheit im SKM-Hospital in Sankhu für DWLF deponiert, die wir dort abholten und es mussten alle notwendigen Utensilien zusammengetragen waren.
Mit drei riesigen Kisten voller Zangen, Spritzen, Watterollen, der tragbaren Einheit und einem Autoklaven - Sterilisator etc. starteten machten wir mit einem Bus nach Pokhara. Dr. Claus Macher hatte seinen nepalesischen Bekannten David mitgenommen, der einen Film für DWLF machen sollte und als Dolmetscher fungierte. Er spicht mehrere nepalesische Dialekte, von denen es über 40 gibt.
Dr. Wolfgang Credner aus Berlin kannte dort ein schönes zentrales Hotel. Dies war unsere Ausgangsbasis, von wo wir nach dem Ort Kristi oben in den Bergen aufbrechen wollten. Ein steiler Feldweg zwang uns, einen Jeep zu mieten, der auch unsere ganze Ausrüstung transportieren musste. Es war wirklich ein langsames Hochquälen und wir waren froh, dass der Weg trocken war. Über den ersten Gang sind wir dabei nie hinausgekommen.
In dem Dorf Kristi wurden wir vor der kleinen Schule sehr herzlich mit traditionellem nepalesischen Essen und Blumen empfangen. Die Schule war auch von Markus Woessner zum Andenken an seine hier mit dem Flugzeug zu Tode gekommenen Schwester mitgegründet worden; die Schule wächst ständig und wurde von Anfang an von DWLF finanziell unterstützt.
Das Gebäude soll aufgestockt werden. Eine feste Zwischendecke muss eingezogen werden; dafür brachte DWLF Geld mit.
Anerkennend wurden die vier fertigen Klassenzimmer nebst den Toiletten bewundert, die die Dorfgemeinschaft für wenig Geld erbaut hatte.
DWLF hatte die Baumaterialien bezahlt, gebaut hat es die Dorfgemeinschaft selbst, so konnten für weniger als 1500 Euro ein Klassenzimmer nebst Mobiliar entstehen.
Unter freiem Himmel bauten wir unsere konservierende und chirurgische Abteilung auf.
Mit großem Interesse und Ausdauer verfolgten alle Dorfbewohner jeden unserer Handgriffe. Nach der Untersuchung aller Schulkinder zeigte sich schnell, dass sich unser Besuch gelohnt hatte. Nach den Befunden waren viele Zähne zu extrahieren und viele Zähne zu füllen.
Zur Belohnung bekam jedes Schulkind von Tuul ein kleines Geschenk, wobei der zentrale Teil eine Zahnbürste und eine Zahnpasta war. Die Zahnbürste kostete uns in Katmandu im Großeinkauf mit Handeln gerade mal 10 Cent, die Zahnpasta 15 Cent - auch eine Erklärung, warum wir lieber Geld als Sachspenden mitnehmen.
In Kathmandu hatten wir mit den Fachleuten des Gesundheitsministeriums besprochen, dass die Sterilisation über den Autoklaven am sinnvollsten wäre. Nicht Aids, sondern die Übertragung von Tuberkulose und Hepatitis und anderen Infektionskrankheiten sind eine Gefahr; wir wollten keinesfalls ein Dorf von Zahnschmerzen befreien und dabei Menschen infizieren. Bei unserem „Dentalsupplier" hatten wir für weniger als 100 Euro einen neuen Autoklaven erstanden, der sowohl mit elektrischer Energie oder mit Gas oder Feuer betrieben werden konnte. Wie uns die Geschäftsführerin von DWLF, die Chirurgien Tuul Sodnompil bestätigte, wurden diese Sterilisatoren auch in der Mongolei für die große Chirurgie benutzt. Auch in der benachteiligten Welt kann man also unter aseptischen Kautelen arbeiten und wir beschlossen, dies zu der DWLF Standardausrüstung zu machen. Da in Kristi häufig der Strom ausfiel, wurde der Dampfdrucktopf kurzerhand auf die gasbetriebene Kochstelle gesetzt, und nach ca. 30 Minuten hatten wir stets sterile Instrumente zur Hand. Obwohl unser Team aus 6 Leuten bestand, waren alle stets beschäftigt.
Die therapeutischen Entscheidungen wurden bei den Kindern oft unter kieferorthopädischen Aspekten durchgeführt. Bei extremen frontalen Engständen musste wegen Druckschmerzes ein unterer Milcheckzahn gezogen werden; der Mutter und der Patientin wurde erklärt, dass es sinnvoll wäre, den nicht schmerzhaften anderen Milcheckzahn auch zu ziehen, um einen Mittellinienverschiebung zu vermeiden, was ohne Widerspruch erfolgte.
Erstaunt waren wir aber, als die Kleine am nächsten Tag auch die oberen Milcheckzähne gezogen haben wollte. Sie hatte das Prinzip der gesteuerten Extraktion verstanden, ohne dass wir viel darüber gesprochen hatten.
Natürlich gibt es dort keine Möglichkeit, Platzhalter anzufertigen. Also müssen hier meist die Milchzahnwurzeln als Platzhalter im Mund bleiben. Die Kronen der Milchmolaren müssen eben gekürzt werden und von außen der Wurzelkanal leicht zu reinigen sein. Uns wurde klar, dass mindestens einmal im Jahr ein Team hierher kommen musste, um eine Qualität der Zahnversorgung zu gewährleisten, die für die vorhandenen Möglichkeiten vertretbar war.
Überrascht waren wir über den Mut und die Tapferkeit der Kinder während der Behandlung. Schnell sprach sich herum, dass wir den Schülern die Zahnschmerzen nehmen konnten, so dass sogar die Lehrer und Dorfältesten behandelt werden wollten.
Leider war unsere Zeit viel zu knapp, um allen zu helfen.
Wir besprachen mit dem Schuldirektorium, dass wir das nächste Jahr länger bleiben werden und dass wir aber etwas zum Übernachten brauchen. Das würde keine Probleme machen, wurde uns versichert. Eine Voranmeldung und dann bleiben wir ein bis zwei Wochen vielleicht - die Nachfrage ist riesig. Zum Abschluss waren wir in Pokhara in einem Restaurant versammelt. Nach der Übergabe von 2500 Euro von DWLF für die Erweiterung des Schulbaues und einem herzlichen „auf baldiges Wiedersehen" war dieses erfolgreiche Camp zu Ende.
Die DWLF Krankenpapiere, die Dr. Dieter Lehmann hier in Nürnberg standardisieren und vervollständigen wird, werden dann überall eingeführen. Sie werden aus einem Statistikblatt und einem Krankenblatt bestehen, das wenig Bürokratie aber den notwendigen Überblick schafft.
Unsere Krankenaufzeichungen in einem Ordner wurden in Pokhara einer Zahnärztin übergeben und etwas Geld dagelassen: sollte jemand Nachschmerzen haben, sollte sie ihn zu ihren Preisen behandeln. Nächstes Jahr wird abgerechnet. So sind die Patienten nicht alleine gelassen und DWLF hat eine Kollegin gefunden, die jung, kooperativ und auch voller Ideen ist, was die Zusammenarbeit mit DWLF betrifft.. So wird es ein gedeihliches Miteinander geben.
Was DWLF stets vermeiden will ist, dass DWLF als Konkurrenz zu niedergelassenen Kollegen empfunden wird.
Deshalb wird DWLF nur in Gebiete tätig, wo die Leute wirklich nichts bezahlen können - das hat die Zahnärztin in Pokhara auch verstanden und unterstützt deshalb auch die DWLF.
Fazit: Nepal und seine Bewohner sind unbeschreiblich faszinierend. Das Reisen in Gruppe mit erfahrenen Zahnärzten bringt für alle etwas: Wir konnten viel lernen und die Arbeit im Team machte Spaß.
Wir würden jederzeit wieder hinfliegen und hoffen, dass unser Artikel das Interesse vieler für das Land Nepal geweckt hat.
Die Stiftung „Zahnärzte ohne Grenzen" (Dentists Without Limits Foundation - DWLF) versucht durch Investitionen von festen Basis- und tragbaren Zahnstationen, in Gesprächen mit den führenden Politikern und führenden Zahnärzten der Gastländer, ein sinnvolles Zahngesundheitskonzept für die benachteiligten Länder mit aufzubauen und darin seine unterstützende Rolle zu finden.
Dazu benötigt sie viele Helfer, die neugierig sind und einen sinnerfüllten Urlaub verbringen wollen.
DWLF will in erster Linie Interessierte informieren und animieren, es gleichzutun und diese Länder zu besuchen.
Die Stiftung „Zahnärzte ohne Grenzen" ist im Augenblick in Nepal, Sri Lanka, Indien, in der Mongolei und in Rumänien aktiv. Weitere Länder sind in Vorbereitung.
Möchte jemand im Sommer 2008 mit in die Mongolei reisen, möchte er sich doch bitte bei Tuul Sodnompil in der Geschäftsstelle der DWLF melden.
(Tel.0911-4752224). DWLF hat dort drei Zahnstationen eingerichtet; zudem werden mit tragbaren Einheiten - zum Teil auch zu Pferd - die Nomaden behandelt.
Zudem hat DWLF Kontakt mit der Universitätsprofessorin Frau Norovpil, die gerne Vorträge für Implantologen oder Kieferorthopäden organisiert. An diesen Themen sind die mongolischen Zahnärzte sehr interessiert.
Von dem früheren Außenminister Enkhbold und heutigen Parlamentabgeordneten wird man empfangen; DWLF Mitarbeiter sind in der Mongolei hoch willkommen.
Weiteres finden Sie auf unserer Homepage: www.dwlf.org
Wir finanzieren uns hauptsächlich durch Altgoldspenden und Geldspenden. Die
Gemeinnützigkeit ist anerkannt. Es dürfen Spendenquittungen ausgestellt werden.
Spendenkonto: EV Kreditgenossenschaft eG, Kassel, BLZ 520 604 10,
Kto.-Nr. 530 2471, Zahnärzte ohne Grenzen
Sitz der Stiftung: Waechterstraße 28, 90489 Nürnberg, Telefon: 09 11/4 75 22 24,
E-Mail:
Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können
|