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DR. WOLFGANG CREDNER - D - BERLIN
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2009- OKTOBER
Erfahrungs- und Rechenschaftsbericht über meinen Einsatz für die Stiftung DWLF.
Einige Passagen sind von Dr. Claus Macher mit dem Einverständnis von Dr. Wolfgang Credner ergänzt und weiter erläutert worden. Diese haben den Charakter des Briefes aber nicht verändert.
Nachdem ich meine Praxistätigkeit zum 31.12.2005 in Berlin beendet hatte, war ich lange auf der Suche nach einer Möglichkeit, mein Wissen und meine Erfahrung aus einer 35jährigen Berufserfahrung doch noch einmal irgendwo positiv einzubringen. Recherchen im Internet ergaben: es gibt viele zahnärztliche Hilfsprojekte und nach telefonischer Kontaktaufnahme mit den Verantwortlichen hatte ich häufig den Eindruck: ein Interesse an einer Mitarbeit war nicht unbedingt erwünscht.
Warum, ich weiss es nicht, aufdrängen wollte ich mich nicht und im Nachhinein stelle ich fest:
keine von mir angesprochene Organisation hatte sich nochmals bei mir gemeldet.
Doch, eine war daran interessiert, neue und erfahrene Zahnärzte für eine Mitarbeit in einer noch recht jungen Stiftung zu gewinnen: DWLF! ............
2007 NEPAL - SRI LANKA
Nach einigen Telefonaten Anfang 2007 mit dem Stiftungsgründer Koll. Dr. Claus Macher und mir und nach anschließender persönlicher Kontaktaufnahme in Berlin, stand mein Entschluss fe st, für DWLF nach Nepal zu fahren, zumal das Schwellenland Nepal der Hauptschwerpunkt der Stiftungsarbeit war. Die Kollegin vor Ort zu unterstützen, war mein Ziel.
In Nepal angekommen,( 25.4.2007 - 24.5.2007 ) bestand mein Hauptanliegen zuerst darin, abzuklären, was die Voraussetzungen für die Arbeitsaufnahme in diesem Land sind. Dieser zentrale Punkt war bisher nicht eindeutig geklärt, jeder arbeitete bisher in einer undankbaren "Grauzone".
Die Gesetze eines jeden Landes sind unbedingt zu respektieren und einzuhalten.
Wie sich herausstellte: jeder Zahnarzt benötigt eine vom Medical Council ausgestellte Arbeitserlaubnis, dies gilt auch für ehrenamtliche Helfer. Leider ist es uns bisher noch nicht möglich gewesen, mit dem Gesundheitsminister von Nepal einen entsprechenden Vertrag abzuschliessen, so wie mit der Mongolei oder Sambia, doch dazu später.
Die Zahnstation im Dallu Gemeindehospital in Kathmandu ( KTM ), mit dem Spendengeld von DWLF eingerichtet, wurde entrümpelt: alle alten verschlissenden Instrumente, die irgendwelche Gutmenschen gespendet hatten, flogen gnadenlos auf den Müll. Der Behandlungsstuhl wurde in die richtige Richtung gestellt, Pläne für eine verbesserte Einrichtung erstellt und verbesserte Hygienemassnahmen angemahnt. Dann wurde der übliche DWLF Vertrag mit dem Medical Comitee des Krankenhauses geschlossen. Ein wichtiger Punkt darin ist, dass für die Basiszahnmedizin keine Preisliste erstellt werden darf, sondern die Berechnung nur nach sozial angemessenen Gesichtspunkten zu erfolgen habe. Keiner soll von einer zahnärztlichen Basisbehandlung aus monetären Gründen ausgeschlossen werden.
Die Zahnstation Trishuli - ca. 75 km nördlich von KTM gelegen -
hatte eine lange Wunschliste an Geräten und Materialien nach Deutschland gesandt. Die Station sah verheerend aus, alles zerschlissen, alles war in Plastiktüten gut verstaut, Wasser wurde aus fünf Meter Entfernung herangebracht, der „ Wurstkocher" mit blanken Kupferdrähten auf dem Boden, diente als Steri, auch für Einwegartikel.
Viele Artikel auf der Wunschliste tauchten nach Kontrolle der Plastiktüten auf: die entwaffnende Antwort auf die Frage, es ist doch vieles vorhanden, was ihr nochmals haben wollt:
Tja, wir wissen aber nicht wie man diese bedient.
Kurzum: eine klare Planung wurde von mir erstellt, ein Mauerdurchbruch, für eine neue Türe wurde im Gegenzug eine alte zugemauert, neueWasserleitungen, Abwasser , Boden- und Wandfliesen, neuer Farbanstrich für Wände und Decken, Elektrik, ein Nebenraum, vorher total vermüllt, wurde ausgeräumt und als Steri vorbereitet, Planungen für Unterschränke mit Schüben und grossflächiger Arbeitsfläche wurden gezeichnet.
Ramesh, der Verantwortliche vor Ort, hatte alles in kurzer Zeit nach unserer Abreise umgesetzt und uns stolz die Fotos von den Bauabschnitten der Umbaumassnahmen zugemailt, nach denen ihm auch das vorher mit einem Bauingenieur berechnete Umbaugeld zugeflossen ist.
Die neue Einheit incl. Rö-Gerät wurde im Frühjahr 2008 eingebaut.
Ich glaube sagen zu können, trotz einiger Umsetzungsfehler in der Planung ( man ist ja nicht ständig vor Ort ), kann in dieser Zahnstation unter guten mitteleuropäischen Verhältnissen gearbeitet werden. Jedenfalls leite ich dies aus den Gesprächen und den positiven Erfahrungsberichten der Kollegen ab.
Die Planung und Einrichtung der Zahnstation, von DWLF finanziert, im Buddha Hospital in Pokhara war leider schon abgeschlossen. Es war etwas unpraktisch geplant worden.
Unglücklicherweise war auch noch der verantwortliche nepalesische Hospitalmanager nicht erreichbar ( Todesfall in der Familie ), so dass in der kurzen Zeit nichts mehr geklärt werden konnte.
Nach Sri Lanka ( SL) ging es vom 16.11.- 1.12.2007, gemeinsam mit Dr. Claus Macher, Tuul Sodnompil -der DWLF Geschäftsführerin, Herrn und Frau Eyerkaufer, - der den Bau der DWLF Zahnstation in Beruwala, China Fort, ca. 60 km südlich der Hauptstadt Colombo überwachte und leitete - zur feierlichen Eröffnung.
Der Bericht über die Eröffnungszeremonie ist ausführlich unter SL in der Homepage dargestellt.
Da DWLF die Zahnstation ganz bewusst in einem Moslemdistrikt gelegt hatte, durften wir einer moslemischen Hochzeit beiwohnen - 1200 Gäste! Es war sehr eindrucksvoll.
Außer einem Sofa und einem flachen Beistelltisch gab es weiter n ichts in der Station.
Man erklärte uns, so sei dies häufig in diesen Ländern ( wie wir später auch in anderen Ländern feststellen konnten ). Wer oder wie soll man dann aber dort arbeiten?
In Colombo wurden von uns die wichtigsten weiteren Geräte ( Steri etc. ) Instrumente und Materialien geordert. Dies in einem gut sortierten Dentaldepot, was Dr. Claus Macher schon ein Jahr zuvor als Einkaufspartner unter vielen anderen ausgesucht hatte - es wird von einem Chinesen geleitet, der das kaufmannische Blut in sich hat.
Nach einer Woche mussten alle wieder nach Deutschland zurück, nur ich verlängerte meinen Aufenthalt um eine Woche. Diese Zeit wurde wiederum intensiv genutzt, um mit den Handwerkern das Wichtigste zu besprechen, die Station so auszubauen, dass auch darin nach mittleleuropaeischen Standard gearbeitet werden kann: Fliesenspiegel an den Wänden, mit dem Tischler die Unterbauschrankzeilen mit durchgehenden Arbeitsflächen genauestens ausgemessen, die Masse besprochen, Materialien ausgesucht, wo und wie die Handwaschbecken angebracht werden müssen, wo Steckdosen montiert werden!
Dank der modernen Datenübertragung konnte uns Irsan , unser Ansprechpartner vor Ort, innerhalb kurzer Zeit die Fotos des Ergebnisses präsentieren: alles war einwandfrei von den Handwerkern nach meinen Planungsvorgaben umgesetzt worden. In asiatischen Ländern scheinen Unterbauschränke noch nicht weit verbreitet zu sein, selbst in der modernsten privaten Klinik in Colombo hantierte die indische Kollegin mit offenen Regalen, alles in Tüten verpackt.
Auch hier verweise ich auf die Erfahrungsberichte der Kollegen, die in dieser wunderschönen Umgebung ihren Einsatz geleistet haben. Beruwala liegt direkt am Meer und hat einen riesigem Sandstrand. Es ist für einen Familienurlaub sehr gut geeignet.
Herr Eyerkaufer , ein Landrat a.D. aus dem Rhein-Main-Kinzigkreis - der Dr. Claus Macher bei einer Einladung des Konsuls von Sri Lanka in München durch einen substanziell großartigen Vortrag aufgefallen war und der seit dem mit ihm befreundet ist - ist seit vielen Jahren in Beruwala im kommunalen Bereich mit viel Schlauheit, Menschenkenntnis, Einfühlungsvermögen und Sachverstand engagiert. Immerhin gibt es in jeder Stadt mehrere ethnische Gruppen, wobei man keine benachteiligen darf. Und Herr Eyerkäufer spielt hervorragend auf der diplomatischen Klaviatur- er ist bei allen Gruppen beliebt und geachtet. Mit im Vergleich wenig finanziellen Mitteln hat er den Bürgern von Beruwala geholfen, ihre Stadt wieder aufzubauen. Herr Macher konnte sein Wirken besichtigen: ein Kindergarten für bis zu 40 Kindern Gebäude incl. Einrichtung nach den Bedürfnissen der Bevölkerung für knapp 10.000 Euro !
Ein Mensch, der effektiv und bürgernah arbeitet und sich von dem Vorgehen und Wirken der meisten "Entwicklungshilfe- organisationen" (NGO´s) völlig unterscheidet.
Er hat unsere volle Hochachtung und wir haben ihn als äußerst zuverlässigen Menschen kennengelernt.
Moslems, Buddhisten, Hindus und Christen. Alle leben in Ihrem Distrikt und beißen sich nicht. Die einen rufen vom Minarett, die anderen lassen durch ihre Tröten die tiefen Töne erschallen, und die anderen bimmeln mit den Glocken.
Und alle dürfen zu den Moslems kommen, wenn sie Zahnschmerzen haben.
Hier weiß man um die Gemeinsamkeiten der Religionen und achtet sich gegenseitig. Man hat das Gefühl:
hier feiert man eher das Abendmahl zusammen, als in Deutschland die Protestanten und Katholiken.
Herr Eyerkaufer teilte uns zu unserer Freude mit, dass die Station sehr gut von den Patienten angenommen worden ist und alle Beteiligten sehr stolz auf IHRE DWLF Zahnstation in China Fort sind.
2008 NEPAL- GEORGIEN- MONGOLEI- GEORGIEN
Zusammen mit Claus Macher und Tuul Sodnompil - der Geschäftsführerin vonm DWLF - ging es vom 11.3.- 2.4 .2008 erneut nach Kathmandu - vor Ort schlossen sich uns drei Famulantinnen der Universität Leipzig an.
Vorrangig war der Kauf einer neuen Einheit und eines Röntgengerätes für die Zahnstation Trishuli.
Mit großem Engagement wurde die Einheit von der Koll. van Engelen (die derzeit zusammen mit ihrem Mann vor Ort arbeitete ), gemeinsam mit ihrem Mann eigenhändig installiert.
Dem Kollegen Rico Glaevke aus Berlin und seiner Mitarbeiterin Laura Sebastian, die wir im Hotel Varja trafen und die anschließend in Trishuli ihren Einsatz beginnen wollten, konnten wir die Nachricht von den neuen Geräten vorab überbringen.
Von vielen nachfolgenden Kollegen erhielten wir danach das feedback, dass sie einen solchen guten Standard einer Zahnarztpraxis nicht in diesem Land erwartet hatten und sich sehr über das Niveau freuten, zumal es ihre Arbeit vor Ort doch sehr erleichterte.
Im Dallu Hospital hatte sich nach einem Jahr Vergangenheit nichts verändert: das Patientenaufkommen war trotz aller Beteuerungen, wie notwendig eine Zahnbehandlungsmöglichkeit für die Bevölkerung des Bezirkes Dallu sei, nicht gestiegen. Bedürftige Patienten sollten genauso viel bezahlen wie alle anderen. Einer jungen Kollegin aus Israel verweigerte man die kostenfreie Untersuchung und Behandlung von Waisenkindern.
Das war anders vereinbart, das war Vertragsbruch!
Das Dallu Hospital Commitee, bestehend aus älteren nepalesischen Herren, schlug stattdessen vor: DWLF solle die Aufstockung der nächsten Etage bezahlen und dazu noch sechs weitere zahnärztliche Einheiten nebst Dentallabor. Das war grotesk! Nach einer Woche Bedenkzeit riefen wir das gesamte Kommitee noch einmal zusammen und haben unsere Wut im Bauch freien Lauf gelassen. Selbst unsere Samita, eine junge engagierte Nepalesin , die die Stütze ihrer Familie war -und der wir fast die gesamte die Ausbildung zur "Parametic" bezahlten und eine Unterstützung ihrer Familie für die Ausbildungszeit gaben und die laut Vertrag dann dort im Krankenhaus als angestellte Zahnärztin die Bedürftigen behandeln sollte -, war nicht in dem neu gegründeten Kommitee vertreten!
Das Kommitee war eine reine Männerdomäne - ob überhaupt ein Mediziner dabei war, war uns unklar. Die weitere Zusammenarbeit zwischen Dallu und DWLF wurde daraufhin vorerst bis auf weiteres auf Eis gelegt.
Es entstand der Eindruck, dass wir es mit einer merkantilen Gruppe zu tun haben, die mehr ihre Hosentaschen im Sinn haben, als das Wohl der Bedürftigen, das die primäre Zielgruppe von DWLF ist.
Eine weitere Unterstützung des kommunalen Krankenhauses durch DWLF erfolgte seitdem nicht mehr.
In Pokhara und KTM versuchten wir erneut, mit dem Verwalter des immer noch von der Regierung verschlossenen Buddha-Hospitals Kontakt aufzunehmen, leider ohne Erfolg.
Mindesten drei Tage waren notwendig, um das gesamte Equipment für das geplante Dentalcamp zu organisieren.
Mit tatkräftiger Unterstützung unserer drei Famulanntinnen aus dem 8. Semester von der Universität Leipzig wurde in Pokhara Kristi ( siehe Projekt Pokhara Kristi Markus Woessner ), einer kleinen Berggemeinde in der Nähe von Pokhara, ein dreitägiges Dentalcamp unter aseptischen Kautelen durchgeführt.
Eigentlich sollten nur die ca. 120 Schulkinder untersucht und wenn möglich, behandelt werden, was auch, trotz andauernder Stromausfälle gelang. Dann kamen Erwachsenen insbes. die Lehrer und die Honoratioren des Ortes. Sie wollen offensichtlich erst einmal sehen, wie es ihren Schulkindern ergeht. Doch dann hatten Sie Mut bekommen. Zum Zähneziehen ein Eldorado!
Ein Dentalcamp spricht sich natürlich in Windeseile herum und so kamen viele Eltern mit ihren Kindern aus der Umgebung, denen man eine Behandlung nicht abschlagen konnte.
Es wäre wünschenswert, wenn dieses Dentalcamp mindestens einmal pro Jahr von Kollegen vor Ort durchgeführt werden könnte, das gesamte Equipment hierfür ist im SKM Hospital in Shanku gelagert und liegt zur weiteren Verwendung bereit.
In Pokhara haben wir einem Geschwisterpaar in einer Gemeinschaftspraxis die Patientenakten und etwas Geld dagelassen - falls jemand die Nachschmerzen plagen.
Auch hier verweise ich auf die Erfahrungsberichte in der homepage.
In Georgien ( 6.7.-13.7.2008 ) gruben die Archäologen der Nürnberger Historischen Gesellschaft(NHG) schon seit Jahren. Frau Dr. Ursula Macher entdeckte dann auch ein Fürstenkind mit Grabbeigaben und dieses erhielt natürlich den Namen Ursula. Über die deutschen Archäologen erfuhren wir, dass in Atskuri, (einer kleine Gemeinde westlich der bekannten Kurstadt Borjomi - berühmt wegen seines klaren Wassers - die Romanoffs und später Stalin kurten hier regelmässig), fast an der Grenze zur Türkei - wartet dringend auf eine Zahnstation. Dies war für DWLF verlockend, da schon die renovierten Räume vorhanden waren.
DWLF wollte diese eigentlich errichten.
Die Bitte, einen Deutschen Zahnarzt nach Sachkhere ( Georgien , ca. 180 km westl. von Tiflis )zu senden, wurde von der dortigen Krankenhausleitung an DWLF herangetragen.
Eine von der Krankenhausadministration eingerichtete Praxis sollte überprüft werden. Bei meinem Besuch stellte sich heraus, dass zwar die Grossgeräte vorhanden waren, aber keine Hand und Winkelstücke, keine Instrumente, geschweige denn Materialien, alles musste erst bestellt werden.
Von Sachkhere aus war es möglich, nach Atskuri zu fahren, um mir ein Bild von den vorhandenen Gegebenheiten zu machen.
Die Aufteilung der Räumlichkeiten und die Planungen wurden bei meinem Besuch mit dem Bürgermeister und dem in Atskuri wissenschaftlich tätigen Archäologen genaustens besprochen, aber leider funktioniert die Kommunikation mit den georgischen Kontaktpersonen nicht so richtig, da hier in Deutschland der richtige Ansprechpartner fehlt, einer, der eine persönliche (?) Beziehung zu diesem Land hat. Dies bedauere ich sehr. Georgien ist ein hochinteressantes Land, gastfreundliche, hochgebildete Bewohner umsorgen ihre Gäste.
In die Mongolei ( 20.7.- 5.8.2008 ) ging es von Berlin Tegel ( TXL) via Moskau nach Ulaanbaatar.
Nach kurzem Aufenthalt in UB fuhren wir, Tuul Sodnompil - die unsere Truppe anführte und uns die Türen zu Parlamentarien, Krankenhauschefs und Govereuren öffnete - Dr. Claus Macher, Dr. Heiner Kraft und ich nach Zumod, Tov Aimag, ca. 50 km südlich, Übernachtung im traditionellen Ger. Auch hier hatte DWLF eine neue Einheit gestiftet, aber an Instrumenten, insbesondere Kleinmaterialien wie Rosenbohrern, FG Diamanten, chir. Instrumenten und Materialien, fehlt es an allen Ecken und Enden.
Behandelungen konnten nur unter erschwerten Bedingungen durchgeführt werden. Es war manchmal nicht nachvollziehbar, unter welch unsäglichen Umständen die Kollegen vor Ort sinnvolle konservierende oder chirurgische Behandelungen durchführen sollen.
Unsere aus Deutschland mitgebrachten Spenden und die besorgten Materialien aus UB reichten noch lange nicht aus: es ist noch ein weiter Weg zu einer guten, durchschnittlichen Zahnbehandlung.
Auch hier in dieser Station wurde von mir die Planung neuer Unterschränke vorgelegt, um eine bessere Übersicht aller Instrumente und Materialien zu bekommen.
Zurück nach Ulan Bator, wieder neues Material besorgt, denn dieses mal ging es mit zwei Fahrzeugen, bepackt mit Material und einer Tragbaren Einheit , nach Baruun Urt, 650 km östlich von UB. 12 Stunden Fahrt durch Steppen auf einer endlosen Sandpiste. Weiter Himmel, kein Baum , kein Strauch.
Auch das Hospital von Baruun Urt hatte im Frühjahr mit einer von DWLF gesponserten Einheit Eröffnung gefeiert, aber der Station musste wieder etwas organisatorisches Leben eingehaucht werden. Die Einheit: mitten im Raum, die Schläuche enden irgendwo, ausgespuckt wird in eine Plastiktüte, Abwasserleitungen: Fehlanzeige.
Wasser für die Turbine bekommt man aus einer an der Einheit befestigten Plastikflasche. Für Schwellenländer eine geniale Lösung, ist das Leitungswasser, sofern vorhanden, nicht unbedingt einwandfrei, hat Schwebstoffe und Keime. Sauberes Trinkwasser in Flaschen gibt es fast immer, damit werden die Plastikflaschen gefüllt.
Ein Waschbecken war weit und breit nicht zu sehen.
Auch hier war meine Aufgabe: Handwerker zusammenzuholen, Abflussrohre zu verlegen, Wasserzufuhr für Handwaschbecken festzulegen, Zeichnungen für sinnvolle Unterschränke zu planen und zu zeichnen. Wir beschlossen, ein Abwasserfallrohr - an der Stelle, wo wir dachten, dass es für uns günstig war und zudem machbar - durch den unteren Röntgenraum bis in den Keller zu legen und dann dort dieses mit dem Hauptstrang zu verbinden. Die Bedenken waren beträchtlich (was ja immer passiert, wenn DWLF Veränderungen will), aber der herbeigerufene Klinikarchitekt begriff sofort den Sinn und die Machbarkeit. Erfreulich und überraschend war, dass über das Wochenende dann alles durchgeführt worden war. Die Handwerker standen sofort mit den Abflussrohren bereit, es wurde gehämmert und gebohrt, stolz konnte Baagii (der DWLF Kontaktmann in der Mongolei ) schon kurz nach unserer Rückkehr die neuen Unterbauschränke aus dem Krankenhaus Baruun Urt im Internet präsentieren.
Zurück in Ulan Bator: während Tuul, Claus und Heiner nach Batsumber im Norden von UB zur dortigen , bereits sehr gut eingerichteten Zahnstation fuhren, um sich mit weiteren Kollegen zu treffen, trat ich die Rückreise an.
Nochmals ging es nach Georgien ( 29.9- 6.10.2008 ), zusammen mit einer georgischen Kollegin aus Regensburg.
Gemischte Gefühle, denn kurz nach mein em ersten Besuch brach der georgisch- russische Krieg um das Gebiet um Südossetien aus, bis nach Gori waren russische Truppen vorgedrungen. Gori liegt an der strategisch wichtigen Ost-West Achse, von Tiflis bis an das Schwarze Meer. Die Hauptverkehrsader, Strasse und Schiene .
Vorbei an Kontrollposten, ohne Behinderung, Gori erstrahlte im neuen Glanz, alle zerstörten und bombardierten Häuserzeilen, die in westlichen Fernsehbildern zu sehen waren, wurden innerhalb kürzester Zeit wieder hergestellt. Keine Spuren der kriegerischen Auseinandersetzung, nur ein zerschossener, ausgebrannter Panzer auf einem Tieflader in Tiflis.
Aufgrund dessen, dass diese zukünftige Zahnstation im Krankenhaus von Sachkhere komplett mit Grundinstrumenten und Materialien neu bestückt werden musste, war es notwendig, alles im vorraus aus entsprechenden Dentalkatalogen einzeln herauszusuchen.
Was macht Sinn, was muss nicht sein, eine mühevolle Arbeit, aber es ist als Grundlage für alle unsere DWLF Stationen gut zu gebrauchen.
Diese Listen, von mir erstellt und anschließend zusammen mit Dr. Dieter Lehmann aus Nürnberg verfeinert wurden, stehen nunmehr im Internet auf der DWLF Seite als Grundlage für Neueinrichtungen allen Interessierten zur Verfügung. Ebenso die Liste der Gross -und Kleingeräte.
Eine weitere von mir verfasste Liste: Vorschläge für Unterbauschränke (Modul - Bauweise), Planungsvorschläge und Skizzen, Beleuchtung und Steckdosen, steht ebenfalls allen Kollegen im Internet zur Verfügung.
Hiermit soll den Kollegen eine Hilfestellung zu einer evtl. Neugründung einer Station gegeben werden. Wir wollen damit erreichen, dass die von DWLF unterstützten Zahnstationen einem einheitlichen Grundmuster nach mitteleuropaeischen ergonomischen Prinzipien folgen, was sich zum jetzigen Zeitpunkt bereits als positiv herausstellt.
Die zahnärztlichen Dinge wollen wir in Georgien kaufen - waren die doch sicher billiger und konnten dort repariert werden. Wir haben die Listen dorthin geschickt aber bis heute keine Nachricht von irgendeinem Dentaldpot erhalten. Wir warten jetzt erst einmal ab, und werden versuchen, wenn sich die politische Lage stabilisiert hat, auch einen Vertrag mit dem Gesundheitsministerium zu bekommen.
DWLF unterscheidet sich eben von anderen NGO´s darin, dass DWLF niemals Geld aus der Hand gibt, sondern immer vor Ort entscheidet, wo am günstigsten eingekauft werden kann.
2009 Sambia
Von Berlin Tegel via FFM, ( ab da gemeinsam mit Dr. Heiner Kraft, der das Projekt angeschoben hatte, und Dr. Claus Macher) über Johannesburg ging es vom 11.4.-25.4.2009 nach Lusaka, genauer gesagt, nach Siavonga, einem Verwaltungsort , ca. 180 km südlich von Lusaka, gelegen am Sambesi, der dort zum Lake Kariba aufgestaut ist. In der Mitte der gigantischen Staumauer verläuft die Grenze zu Simbabwe, beide Länder teilen sich die Stromgewinnung. Der Staudamm mit einer Höhe von 110 m ist deshalb so gross: der Lake Karibe ist ca. 300 km in Ost- Westrichtung lang und 30 km breit, eine unvorstellbare künstlich aufgestaute Wassermasse. Was passiert, wenn die Staumauer die gewaltigen Wassermassen nicht mehr halten kann? Wir standen auf dem Staudamm und schauten in die Tiefe, wo sich ein Krokodil auf einem Felsen sonnte. Einer begann plötzlich den "Krokodil-Rock" zu summen.......
Die Zahnstation im Kreiskrankenhaus von Siavonga: absolut desolat, die Einheit funktionsuntüchtig, die beiden Dentalassistenten vor Ort konnten nur noch Extraktionen vornehmen.
Gemeinsam mit Herrn Herman Striedl aus München (Herman the german ), - einem patenten und engagierten Hotelier, der uns Lodges an dem palmengesäumten Sandstrand kostenlos zu Verfügung stellte und der zu den Print- und Fernsehmedien und zur Politik für DWLF beste Kontakte herstellen konnte und inzwischen der "DWLF Responsible for Zambia in Zambia" ist -, lebt seit fast 40 Jahren in Sambia und ist verheiratet mit der Sambianerin Emily, die zugleich Districtgouverneurin für den Verwaltungsbezirk Siavonga ist, wurden Umbaupläne für zwei Behandlungszimmer detailliert geplant und besprochen: Wanddurchbrüche, Fliesen- Elektrik , Malerarbeiten, Deckenbeleuchtung, genaue Ausrichtung der Behandlungsstühle und die komplette Einrichtung mit Unterbauschränken, Handwaschbecken und falls erforderlich bei mehr Stauraum, mit Hängeschränken.
Da Herman Striedl , wie viele in solchen Schwellenländern lebende , ausgesprochene Selfmade Männer sind , von Hause aus gelernter Schreiner und Vollblutmusiker ( meine Hochachtung ) und er bereits früher schon Hotelbauten geplant und überwacht hatte, war eine hervorragende Zusammenarbeit möglich, er verstand sofort, worauf es bei einer Zahnarztpraxis ankommt, was notwendige Zusammenhänge sind.
Für die Herstellung der Unterbauschränke konnten wir in Lusaka auf eine auf Küchenmöbel spezialisierte Firma zurückgreifen, die nach unseren genauen Angaben die Schränke für uns herstellen konnte. Auch hier kam das vorher erwähnte, von mir vorgeschlagene Modulsystem wieder zum Einsatz, man kann es hervorragend variieren.
Nach meiner letzten Information von Herman Striedl, sind die Umbaumassnahmen weitgehendst abgeschlossen. Unser Dental Supplier aus der Mongolei, der besonders den asiatischen Markt kennt, wird in Zukunft alle unsere Geräte ein kaufen. Der asiatische Markt ist nur 30% so teuer wie der europäische, so dass wir mit unserem nicht sehr üppigen Spendenaufkommen doch sehr viel erreichen können.
Wir bräuchten eben noch mehr Altgoldsammler!
Per Container sind jetzt 2 feste Zahnstationen bester Ausführung und 2 mobile Zahnstationen auf dem Weg nach Sambia, die wir in der Mongolei nach unseren Wünschen zusammengestellt haben.
Im Herbst/ Winter 2009 soll in Anwesenheit von hochrangigen Politikern aus Lusaka und Dr. Heiner Kraft von DWLF ( ein bekennender Afrika- Fanatiker ) die Einweihung der neuen Station vorgenommen werden. Dr. Kraft möchte dann noch DWLF ein Allrad-Auto für Zambia spenden, so dass wir dort die vielen kleinen Lebensgemeinschaften aufsuchen können. Auch hier unterstützt uns Herman sehr: er beorgt uns das Auto und sorgt sich um die Wartung.
Ich freue mich jedenfalls schon jetzt auf die Fotos, ob unser Einsatz das Ergebnis für die Patienten und die dort tätigen Kollegen rechtfertigt.
Anzumerken ist noch, dass unsere DWL Delegation , zusammen natürlich durch tatkräftige Unterstützung von Herman Striedl, es durch persönliche Vorsprache beim Gesundheitsminister erreicht hat, einen Vertrag zwischen Sambia und DWLF zu schließen, der das Arbeiten von ausländischen Kollegen mit dem DWLF Ausweis dahingehend erleichtert, dass das umständliche Procedere, für die Erlangung einer Arbeitserlaubnis für von DWLF Ausweisen ausgestatteten Kollegen, entfällt.
Ein entsprechender Vertrag wurde auch mit der Mongolei und DWLF geschlossen, wir meinen, ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung ist erfolgt: DWLF als seriöse Stiftung wird in diesen Ländern anerkannt.
Persönliche Anmerkung: wie Sie sicher beim Lesen festgestellt haben, mein Einsatz für DWLF ist nicht so sehr auf das zahnärztliche Arbeiten gerichtet. Aufgrund meiner ersten Erfahrungen, in Nepal 2007, habe ich mich mehr um das Organisatorische vor Ort gekümmert. Mir fiel auf, alle Kollegen wollen arbeiten, aber die Arbeitsbedingungen waren i.d.R. beschwerlich, mühselig, undankbar. Es reicht m. E. nicht für eine nachhaltige Entwicklungspolitik in den Schwellenländern, wenn Kollegen mit der Tasche und Zangen durch die Gegend laufen und sich abends im Hotel brüsten, wie viel Zähne sie heute wieder gezogen hätten. Auf meine Frage, was unternommen wird bei einer evtl. Eröffnung der Nasennebenhöhle die Antwort: die Leute hier sind hart im Nehmen! Leider habe ich dies persönlich so erlebt. So hatte ich mir "Entwicklungshilfe" nicht vorgestellt! Wir wollen weder Infektionskrankheiten verbreiten, noch Schäden setzen!
Meine Vorstellung war von Anfang an, und dies ist , glaube ich sagen zu können, auch die einhellige Meinung der DWLF Verantwortlichen: Feste Strukturen in Form von gut eingerichteten Zahnstationen, wenn möglich an ein kommunales Krankenhaus angegliedert ( bessere Kontrolle, verfügbares Personal, verantwortlicher Projektmanager vor Ort ), können nur langfristig die Lösung sein. Zahnärztliche Behandlungen und Betreuungen müssen langfristig sein, um Erfolge auf Dauer zu erlangen, womit ich Ihnen, als gestandene Kollegen, sicher nichts Neues verrate.
Wenn ein fester Standort etabliert ist, dann können von dort aus Dentalcamps mit tragbaren Einheiten in rural aereas durchgeführt werden und alle Behandelungen, die nicht, aus welchen Gründen auch immer, beendet werden können, werden zur Weiter-oder Nachbehandlung in die gut eingerichtete Zahnstation überwiesen. So wird es in Trishuli ( Nepal ), nach dem von uns forcierten Umbau der Zahnstation, in hervorragender Weise praktiziert und natürlich auch in dem Großflächenstaat Mongolei.. Mein Dank gebührt allen, die sich für dieses Konzept engagieren.
Nur in einer solchen Vorgehensweise sehe wir ein ethisch sinnvolles Handeln der motivierten Kollegen und Kolleginnen.
Inzwischen sind mehrere Zahnstationen nach dem einheitlichen Grundmuster erfolgreich entstanden, andere werden folgen. Mir macht es viel Spass und Freude, Umbauten oder Neuplanungen vor Ort zu gestalten, damit Sie, liebe Kollegen und Kolleginnen, wenn sie sich für einen Einsatz für DWLF entschieden haben, dort erfolgreich arbeiten können und mit dem befriedigenden Gefühl, etwas Positives geleistet zu haben , zurückkehren.
Es ist nicht die Luxuspraxis, die wir anstreben, aber eine wesentliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen, die den Patienten und den Behandlern zugute kommt, ist unser Ziel. Oftmals stehen die Verantwortlichen vor Ort den vorgeschlagenen Erneuerungen skeptisch gegenüber, wenn sie dann aber das Ergebnis sehen, sind sie stolz auf ihre Zahnstation!
Mal ehrlich, brauchen wir nicht alle manchmal behutsam Vorgaben?
Niemand ist vollkommen, dies gilt auch für uns. Sinnvolle Änderungen und/ oder Ergänzungen zu meinen / unseren Vorschlägen sind jederzeit willkommen, wir sind ein Team und brauchen von jedem Anregungen! ken
Dieser Bericht soll einen Einblick in meinen bisherigen Einsatz vermitteln. Worüber ich nicht schreibe, dies werde ich für mich behalten, sind all die vielen positiven Erinnerungen und Erlebnisse mit DWLF Kollegen, mit vielen Einheimischen, die zu Freunden geworden sind , deren Gastfreundschaft mir immer im Gedächtnis bleibt und mit denen, dank der e mail Kommunikation, ein ständiger Kontakt gehalten werden kann.
Auch die Einblicke in die vielfältigen, unterschiedlichen Kulturen, die ich persönlich erleben durfte, sind für mich eine absolute Bereicherung.
Viele Menschen habe ich hier in meinem Bericht persönlich nicht erwähnt: mein Dank gilt deshalb auch , um nur einige zu erwähnen: Samitha, Ramesh, David,- Nepal-, Irsan, Iksan, Rhila -Sri Lanka- , David, Konstantin, Kaapa , Tamara, Irma, Eka , Vachtang - Georgien- ,Baaggi , Britta - Mongolei- , Herman und Emily, Andrew, TV- Steve - Sambia- und all den anderen, deren Namen ich nicht mehr weiss, die uns aber immer umsorgt, unterstützt und begleitet haben.
Hiermit schließe ich vorab meinen Bericht.
Neue Projekte warten:
Laos,
Vietnam,
Ghana,
Nicaragua,
sind für das Jahr 2010 angedacht.
Sollte ich an weiteren Projekten für DWLF in Zukunft beteiligt sein, ich lasse Sie es wissen.
Ohne die vielen Kollegen und Menschen, die losgelöst vom gewinnorientierten Denken auch das Geben und Schenken für wichtig halten und sich die Ziele von DWLF zu eigen gemacht haben, wäre dies alles nicht möglich gewesen und auf unser Fantasiebild von dem kunstvollen Teppich bezogen, an dem viele daran weben müssen, damit er gut wird und der aber nie vollendet werden: dieser Teppich ist ein schönes Stück gewachsen. Er wird aber sicher noch größer werden.
Manpower is more important than moneypower - but we need from all a little piece.
Unsere Erkenntnisse sind bisher: Den Bedürftigen direkt zu helfen, ist nicht einfach.
Da wir ausschließlich in Demokratien tätig sind, ist die heimische Presse und das Fernsehen in dem Gastland ein wichtiger Faktor und eine wesentliche Hilfe. Damit kann der Druck auf die Politik erhöht werden, so dass mit etwas Aufklärungsarbeit die Botschaft verstanden wird: DWLF will nur den Bedürftigen eines Landes helfen. Da passt Korruption und Gängelung durch die Administration nicht dazu.
Schlaue Politiker haben auch verstanden: durch eine gute Presse und gute Taten kann man auch Wählerstimmen gewinnen; das kann auch Schmiergelder bei der nächsten Wahl sparen helfen.
Dr. Wolfgang Credner - Berlin - DWLF-
Dr. Claus Macher - Nürnberg -DWLF
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