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Eine Zahnstationseinweihung auf mongolisch / 8.2009 / v. Dr. Claus Macher Drucken E-Mail
Geschrieben von Dr. Claus Macher, Nürnberg EMail: claus_macher@arcor.de   
Montag, 5. Oktober 2009

ub1bulaanbaatar_berlin-klein.jpgManpower ist das Wichtigste.

Menschen mit aufrichtigem, gutem Herzen und Begeisterung können viel erreichen.

Geld allein bewirkt nicht viel.



Die im Sinne von DWLF in der Mongolei tätig waren, waren im Jahre 2007  vier,  im Jahr 2008 vierzehn und im Jahr 2009 zwölf Helfer aus Deutschland.
Nachdem der weitblickende und basisorientierte mongolische Gesundheitsminister Herr Lambaa den Vertrag mit DWLF im Juni 2009 unterzeichnet hatte, entschied sich DWLF der Mongolei ........

.........noch 2009 zwei feste Zahnstationen (eine im  Arhangai aimag im Zentralen Kommunalen Krankenhaus von Zezerleg sum  bei Karakorum und die andere in Songino-hairhan duureg, eine armer Vorort im Westen von Ulaanbaator) und noch 3 mobile Zahnstationen (im Suchbaatar aimak: in Baruun urt sum -es ist dort die zweite- und nach Ongon sum und im Dorno-govi aimag im kommunalen Zentralkrankenhaus von Sain-shand sum - in der Nähe von Hamarin hiid, dem Weltenergiezentrum) zu spenden. Für alle, auch für die zukünftigen Zahnstationen  sind mongolische Zahnärzte vorhanden, was zu den Grundforderungen von DWLF gehört.

Dieser Bericht handelt von dem verarmten Vorort Ulaanbaators, von dem kommunalen Krankenhaus von Songino-hairhan duureg. 

Eine Einweihungsfeier ist in der Mongolei ein großes Ereignis.

ub1a_pme___isabella_piekos-klein.jpgDie mongolische Zahnärztin, Frau Sodhonchimeg war schon vor Ort und  Frau Dr. Isabella Piekos - eine Zahnärztin aus Berlin - erklärte sich bereit, der Projektmanager (PME) für diese Zahnstation zu sein. Wir waren mit einer großen Helfer-Mannschaft aus Deutschland dabei:
Dr. Isabella Piekos, Zahnärztin aus Berlin - Sarah Steuber, Famulantin von der Uni Hamburg - Christian Knipfer, Famulant von der Uni Erlangen - Tuul Sodnompil, die Geschäftsführerin von DWLF und ich.

Da in der Mongolei die Zahnärzte privatisiert wurden, sind Zahnschmerzen für Leute, die Geld haben, kein Problem. Doch für die Zielgruppe von DWLF, die Mittellosen und Armen, ist dies ein Desaster.
In Songino-hairhan duureg wohnen 8000 Menschen, darunter 2800 Schulkinder. Es istub2aumgebung-ausschnitt-klein.jpg kein Zahnarzt vorhanden, denn hier gibt's nichts zu verdienen.
Das Krankenhaus erscheint wie ein Quader,  ist von Plattenbauten aus kommunistischen Zeiten umgeben und dahinter befinden sich mongolische Zelte (Geers) - ohne Kanalisation.


Es sind viele Nomadenfamilien darunter, denen in extrem kalten Wintern die Herde weggestorben ist oder ältere Personen, die das Schicksal in die Armut getrieben hat. Ich unterhielt mich lange mit einem intelligenten Professor, den es auch hierher gespült hatte.
Muhammed Yunus fub2umgebungdscn2385-klein.jpgiel mir ein: Wenn man ein Samenkorn in eine ganz kleine Schale pflanzt, kann auch nur ein ganz kleines Bäumchen entstehen....
Baagii  - der Landesbeauftragte von DWLF für die Mongolei - hatte unsub3besprechungdscn2380-klein.jpg dieses Projekt am Freitag gezeigt und wir führten sofort Gespräche mit der Klinikchefin. Sie zeigte uns das Krankenhaus, schilderte uns die Situation und wir besichtigten das Sprechzimmer, das DWLF zu Verfügung gestellt werden konnte. Es war ein graues Loch, was wir sofort ausgemessen haben.
Über Nacht machte ich einen Plan auf Millimeterpapier nach den Anweisungen von Dr. Wolfgang Credner aus Berlin. Wo kommt der Behandlungsstuhl hin, wie verlaufen die Rohre, wie sind die Korpusse der Einbaumöbel mit Teleskopschubladen gestaltet - seine  Vorgaben hatten wir ja im inneren Bereich auf der DWLF- Homepage gespeichert  und die können wir ja überall auf der Welt aufrufen.
Wir sprachen mit einem Bauingenieur über die Abwassersysteme, Leitungsverlegung und dessen Gefälle, die Elektrik und den Kompressor. Jeder der vier Handwerker erhielt eine Kopie des Planes.
Die Wandfarbe sollte ein warmes Gelb sein; ein Gelb, das Anteile von Rot enthielt, so dass es bei den zu erwartenden heranrückenden tiefen Temperaturen wenigstens  schön warm sonnig aussehen sollte.
Und auch übub4vorherdscn2414_hell-klein.jpger den Einweihungstermin wurde verhandelt. Am Samstag in 7       ub5einbau-klein.jpg Tagen- war das zu schaffen?
Es musste der Boden gefliest, die Verkleidungen der Fenster verschalt und die Decken abgehängt werden.
Und natürlich musste die politische Prominenz eingeladen werden, die dies auch erwarteten: Der Vizebürgermeister von Ulaanbaator, der Gouverneur, die Vorsitzende vom Sozialamt, die Chefin des Krankenhauses. Und natürlich durfte das Fernsehen nicht fehlten.
Wie sollte das funktionieren?

Wir hatten noch vor, in den Süden der Wüste Gobis zu reisen, um dort einen Ort mit dem Namen Sain-shand sum zu besuchen, der eine mobile Zahnstation dringend benötigte.

Die Instrumente mussten nach der Liste von Dr. Dieter Lehmann, Nürnberg besorgt werden,
Einen Großteil der Geräte hatten wir schon einmal von China nach Deutschland mitgenommen und in der Praxis getestet.
Nicht alles war qualitativ gut und wir selektierten.
Schließlich sollen unsere Zahnstationen möglichst über ein Dentaldepot beliefert werden, das faire Preise und Ersatzteile bietet - und die liegen bei unserem ca. 70% unter den deutschen Preisen.

Die Schreinerarbeiten mussten ordentlich mit Teleskopschienen gemacht werden.

Baagii, ein Organisationstalent und DWLF „Responsible for Mongolia" gebührt unser aller Dank, dass dies alles trotz des Zeitdruckes so gut funktioniert hat. .

ub6brgermeister-klein.jpgEs hatte sich am folgenden Samstag eine größere Menschenmenge und die    ub7fernsehenausschnitt_klein.jpg politische Prominenz eingefunden. Der sympathische Vizebürgermeister von Ulaanbaatar
Herr Z.Bilegt, der Bürgermeister von Songino-hairhan duureg Herr Z.Saihanbayar, der Altbürgermeister Herr T.Naidan von diesem Vorort, die Klinikchefin Frau B.Altanzezeg und die Leiterin des Sozialamtes Frau D.Narantuja (sie hatte in Deutschland studiert und sprach Deutsch fließend), hatten sich eingefunden.
Ein Megaphon war auch dabei und so wurden Lobpreisungen auf DWLF und auf mich gehalten. Schilder und Medaillen wurden mir übergeben, was mir äußerst unangenehm war. Tuul Sodnompil, unsere Geschäftsführerin übersetzte simultan, so dass mir immer etwas Zeit bleib, mir die Antwort zu überlegen. „Eigentlich solltest Du und Baagii die Auszeichnungen bekommen, warum ich ? Ich habe doch gar nicht viel getan, die Hauptarbeit habt doch Ihr gemacht!" zischte ich nach hinten. „Du atmest und wir arbeiten - so ist das in der Mongolei" bekam ich zur Antwort.

Ich erklärte das Prinzip der Stiftung  und stellte die junge Helfermannschaft aus Deutschland vor. No politics, no religions, no...Hier kam mir zum ersten Mal meine riesige Nase (sie nennen mich in der Mongolei Tom Hamar) gelegen, denn ich sagte nicht: we do not care about the colour of the skin sondern: We do not care about long nouses and small nouses und zeigt auf die meine und Tuulsub8unserecrewausschnitt-klein.jpg Nase. Das fanden alle ganz witzig.
Jedenfalls hat das Fernsehen die Sendung mit der Einweihung und die Aufnahmen aus dem Behandlungsraum mehrmals gebracht.

Als dann immer wieder erklang, dass ich der Gemeinde die Zahnstation geschenkt hätte- genauso genommen haben sie die Zahn-Patienten in Deuschland mit Ihren Goldzähnen bezahlt - und sie würden sich herzlich bei mir bedanken, war es mir zu viel. Ich erklärte, dass ich vom Stamm der Schwaben abstamme und niemals Geld ohne Gegenleistung verschenke. Sie müssen sich die Zahnstation verdienen und zwar mir und den deutschen Helfern ein Lied singen. Ich wusste ja, wie gerne Sie das tun und angeführt vom Vizebürgermeister erschallte ein wunderschönes Lied über den Platz vor dem Krankenhaus. Irgendwie war dies alles sehr anrührend.

Da kurze Zeit vorher unser 40 Fuss Container aus Deutschland angekommen war, bestückt mit medizinischen Gerätschaften aus dem Nürnberger Nordklinikum, die noch funktionstüchtig aber nicht mehr modern waren, zudem mit  Patientenbetten und Kleiderkartons, die uns der Johanniter Herr Szüszner aus Lauf/Nürnberg besorgt hatte, hatte Baagii ohneub9erffnung-klein.jpg mir etwas zu sagen, für die armen Leute aus diesem  Gebiet 100 Plastiktüten mit den passenden Kleidern zusammen mit der Frau vom Sozialamt gepackt. Diese las am Ende der Einweihungszeremonie die Namen der Bedürftigen vor, denen eine Kleidertüte gegeben werden sollte und ich erhielt von hinten eine Plastiktüte nach der anderen in die Hand gedrückt, die ich dem Aufgerufenen übergeben musste. Es lächelten mich Leute voller Dankbarkeit an, die ich wahrscheinlich nie mehr sehen werde.
Als ich dann von Baagii erfuhr, dass er in der Nacht vor der Einweihung mit der Leiterin des Sozialamtes die Päckchen bis 3 Uhr morgens zusammenstellte, und vor allem die gebrauchten Unterhosen aussortierte (kein Mongole zieht eine gebrauchte Unterhose an, und ist sie noch so gut gewaschen; ein Affront, wie ich erkennen musste.), bekam ich wieder einmal Hochachtung in Bezug auf das Gemeinschaftsdenken der Mongolen.
Benachteiligt ja, aber Entwicklungsland, was denn, wo denn?

Es war eine lustige und schöne Einweihung und die Zahnärztin, die dortub12zahnstationallein.jpg arbeiten wird, ist sehr glücklich.

Baagii hat nach deub10zahnaertz.erklrt-klein.jpgr Fernsehsendung viele Zuschriften von Ärzten aus kommunalen entlegenen Krankenhäusern bekommen - z. Teil mit Fotos. Sie wollen auch geholfen bekommen. Für DWLF gibt es noch viel zu tun. In der Mongolei ist die auch gute Seite des früheren Kommunismus zu finden: Gut ausgebildete Zahnärzte/-innen und erzogene Frauen.
Wir können hier einfach mit Ideen, persönlichen Einsatz und Ausrüstung dazu beitragen, dass die Zahnmedizin auch die Armen erreicht und eine Verbindung der Herzen zwischen Europa und Asien entsteht.
Wenn ich jetzt sage, dass die gesamte Zahnstation, die Renovierung, Möbel und alle Handwerksarbeiten mitsamt der Rechnung vom Dentalsupplier für die Einheit und allen Instrumenten (nur vom Feinsten: Titanzangen-intraorale Kamera mit Flachbildschirm!!) nicht mehr als 14 tausend Euro gekostet hat und man damit vielen Leutub11zufriedenecrew-klein.jpgen lange Zeit essentiell helfen kann - so wird unser Wahlspruch: „Manpower is more important than moneypower" vielleicht verständlich.









 


ub15lambaa-ausschnitt-klein.jpg
Dank sei dem an die Basis denkenden und zukunftsorientierten  mongolischen Gesundheitsminister Lambaa, der es akzeptiert, dass DWLF selbst direkt investiert 

Er hat für die Mongolei als zweites Land den Vertrag mit DWLF geschlossen, der es ermöglicht, dass die Hilfe an den Armen unbürokratisch und direkt erfolgen kann - durch die, die den DWLF Ausweis besitzen und deren Qualifikation von DWLF überprüft wurde.
 

DWLF bedankt sich vielmals für die vorbildliche Denkweise des mongolischen Gesundheitsminister Lambaa, dessen Herz für alle Menschen in der Mongolei schlägt - vor allem aber für die ärmeren Bevölkerungsschichten.




Am Ende des Tages lud uns Bagii zum Karaoke-Singen ein. Ein mongolisches und ein englisches Lied im       ub13karaoketuul-klein.jpgub14karaokeheinerisabn2475.jpg Wechsel. Der Gesang von den Mongolen war wunderschön , unserer war nur laut, trotzdem wir uns Mühe gegeben haben.
Es hat uns allen viel Spaß gemacht und wir haben viel gelacht!

Mir fiel zu unserem Trost der lateinische Spruch ein, obwohl ich stets in diesem Fach ein Wackelkandidat war:
Ut desint vires, tamenst voluntas laudanda.
(Wenn auch die Kräfte fehlen, so ist doch der Wille zu loben)

 
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