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Gesendet: Sonntag, 19. Juli 2009 10:39
Liebe Tuul,
heute nun wie angekündigt mein Reisebericht.
Reisebericht: Mongolei/Batsumber - Arbeitsaufenthalt vom 22.06.-12.07.2009
Als ich im Juli vorigen Jahres in der ZM über das Mongolei-Projekt zum ersten Mal gelesen hatte, stand für mich fest, dass das auch ein Einsatzort für mich werden sollte. Nach erster Kontaktaufnahme mit Tuul Sodnompil (Leiterin von DWLF), war die Sache für mich beschlossen, der Sommer 2009 stand fest.
Reisevorbereitungen wurden getroffen, bei Kollegen Instrumente gesammelt und bei Firmen Spenden für Zahnbürsten und Zahncremes erbeten. Am 21.06.startete unsere Reise, zum Glück gab es noch die Erlaubnis für 10kg Übergepäck bei MIAT, der mongolischen Fluggesellschaft. Ich reiste mit meiner 14jährigen Tochter, die mich auch schon bei anderen Auslandseinsätzen begleitet hat.
Am frühen Morgen d es 22.06.09 landeten wir in Ulaan Bator. Meine Angst, dort allein zu stehen, war völlig unbegründet. " Partner von DWLF standen schon am Ausgang, erwarteten uns und begrüßten uns aufs Freundlichste. Man brachte uns in ein nettes kleines Hotel, um wenigstens für 2/3 Stunden abzuruhen. Danach gab es ein kräftiges Frühstück und wir fuhren zum Bahnhof. Die Straßen im Land sind meistens pistenartig und die Bahnreise hat auch ihre Reize und versprach etwas mehr Reisekomfort. Unterwegs trafen wir uns noch mit einer anderen deutschen Kollegin, die ebenfalls für 3 Wochen mit ihrem Mann in Batsumber arbeiten wollte.
Die Fahrt mit der transmongolischen Eisenbahn erinnerte an alte DDR-Zeiten bzw. Reisen in die ehemalige Sowjetunion. Doch so eine Bahnreise bringt einem das Land näher, man kann in Ruhe die Landschaft bestaunen - weite endlose Täler, weiße Gers/Jurten und viele Pferde, sowie Schaf-und Ziegenherden. Und wir hatten Zeit, uns ein bisschen kennenzulernen.
In Batsumber bezogen wir die nette kleine Ärzteunterkunft und anschließend zeigte man uns das dortige Krankenhaus, sowie die Zahnstation, unseren Arbeitsplatz für die nächsten Wochen. Nun sollte man nicht mit europäischen Vorstellungen an die Arbeit gehen, schließlich sind wir in einem Land im Herzen Asiens. Das Behandlungszimmer war recht komfortabel eingerichtet, eine chinesische Behandlungseinheit, Instrumentenschrank und diverses Zubehör. Fleißendes Wasser war improviesiert worden, nur Abwasserleitungen gab es nicht, d.h. die Absaugung an der Einheit war außer Betrieb. Die einheimische Zahnärztin Nyemka erwies sich als kooperationsbereit und lernfreudig. Die Sprachbarriere wurde von Tag zu Tag kleiner, wir verstanden uns dienstlich und privat immer besser und waren - so glaube ich - ein gutes Team. Im Wechsel arbeitete ich mit Helga, der anderen Kollegin, im Ger-Camp, in der freien Natur. Dazu nutzten wir die mobile Einheit und den transportablen Patientenstuhl. Jeder arbeitete eine Woche in der Zahnstation und eine Woche im Camp. Natürlich war oft Improvisationsbereitschaft gefragt, z.Bsp. wenn der Strom ausfiel, die Instrumente zur Neige gingen, aber noch genügend Patienten da waren oder wenn der Autoklav streikte. Wir haben alles mit Ruhe und Humor genommen und alle Situationen gemeistert. Schließlich merkt man dabei, wie verwöhnt wir Deutschen sind und unter welchen erschwerten Bedingungen andere Völker arbeiten und leben müssen und auch können!! Ich habe große Achtung vor diesen Menschen und alle, die sich irgendwelche Vorurteile erlauben, sollten vorerst die Situation und die Lebensweise beobachten.
Nach Feierabend haben wir auf dem Pferderücken die Natur erkundet und mit unseren Freunden von DWLF und dem Krankenhaus mongolische Lebensweise life erlebt - egal ob beim Kochen mongolischer Gerichte/ Schaf in der Milchkanne - oder beim gemeinsamen Feiern des Naadam-Festes (mong.Staatsfeiertag). Das alles wird uns als schöne Erinnerung im Gedächtnis bleiben.
Die letze Woche nutzten wir mit Helga und ihrem Mann für eine kleine Rundreise - bis in die Wüste Gobi. Auf dieser Fahrt haben wir die Vielfältigkeit des Landes erleben dürfen, von unendlicher Weite, über Gobi-Altei mit Gletschern, über Sedimentformationen wie in den Grand Canyons bis hin zu den fruchtbaren Tälern am Orchon-Fluß, den ehemaligen Heereslagerplätzen von Tschingis Khan. Wenn man das alles gesehen hat, sieht man auch die Probleme des Landes mit ganz anderen Augen und versteht manches besser. Die Übernachtungen fanden meist in Familien-Camps statt, wodurch wir ebenfalls einen realistischen Einblick in das Nomadenleben bekommen konnten.
Für mich war diese Reise die bisher schönste und beeindruckenste in meinem Leben. Die Begegnungen mit den vielen freundlichen Menschen - egal ob Patienten, Kontaktpersonen oder meiner Kollegin Helga - haben mir unendlich viel gegeben. Ich habe soviel inneren Frieden gefunden und Gelassenheit im Reisegepäck mit nach Hause gebracht, dass ich noch lange davon zehren werde.
Allen Kollegen, denen die Hilfe Anderer am Herzen liegt und die Natur und Ursprünglichkeit lieben, kann man diesen Einsatz nur empfehlen.
Christine Neubert
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