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Asien / Nepal / SKM -Hospital / Maoisten Militärcamp / v. Dr. Dieter Lehmann, Nuernberg/ 7.2008 Drucken E-Mail
Geschrieben von Dr. Dieter Lehmann--AD--DWLF ID 0073--Tel.0049-157-7153 6896   
Freitag, 29. August 2008

Nepalbericht Juni/Juli 2008      E-Mail: Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können


dl_1_skm-hospital.jpgHerr Kollege Glocker hat ja schon sehr schön in seinem Bericht von 2006/2007 von der Fahrt vom Flughafen in Kathmandu zum SKM Hospital, der Begrüssung und den Verhältnissen dort im SKM berichtet. Da ich dies fast genauso erlebt habe, schreibe ich nicht mehr darüber, wegen der Wiederholung und bitte die geschätzten Leser(innen), es dort nachzulesen. Seine Vorschläge in diesem Artikel für Ausflüge in die Umgebung habe ich sehr gern angenommen, vielen Dank dafür!......



 

 


........Natürlich hat sich personell im SKM inzwischen einiges verändert, insbesondere das Ausscheiden des bisherigen deutschen Chefarztes Dr.Andreas Settje, im März 2008. Sein Nachfolger „im Amt" wird im Herbst 2008 erwartet.

Für Interessenten, die etwas mehr Informationen über das SKM Hospital bekommen möchten, kann ich 2 Web-Seiten empfehlen, einmal die des SKM Hospitals direkt: www.nepal-hospital.de und die des Vereins „Interplast Germany e.V." : www.nepal-krankenhaus.de .

Fast schon eine gute Tradition ist es in SKM, in entlegenen Gebieten Nepals, medizinische Behandlungs- und OP- Camps durchzuführen.

Von der Zahnstation werden auch entsprechend dental-camps durchgeführt.

Christa Drygalla, die Krankenhausmanagerin des SKM, plant und organisiert diese mit ihren Mitarbeitern bestens. Nachdem im Mai 2008 der König abgesetzt und die Republik Nepal gegründet wurde, ist die Bildung einer wirklich stabilen und handlungsfähigen Regierung schwierig. Die Communist Party of Nepal, kurz genannt „Maoisten" , ist bei den Wahlen als stärkste Partei hervorgegangen. Die Maoisten waren es aber auch, die als Guerilla zu Zeiten der konstitutionellen Monarchie agierten. Diese medizinischen Camps sind nun von deutschen Regierungsstellen (vor allem der GTZ) als Beitrag zur Unterstützung des Friedensprozesses zwischen den ehemaligen Bürgerkriegsparteien nach der erfolgreichen Wahl erbeten worden und werden auch von der GTZ bezahlt . So hat sowohl das Hospital dringend benötigte Einnahmen und leistet dabei einen aktiven vertrauensbildenden und humanitären Beitrag auf dem schwierigen Weg zu einer hoffentlich friedlichen Zukunft Nepals.

Ich führte nun in meiner Zeit am SKM so ein dental-camp durch, in einem Militärlager der Maoisten, zusammen mit dem dentalhyginist Hari und unserem Fahrer und Helfer Pralath.

Von diesem Camp nun mein kurzer Bericht.

Erst ging es mit dem grossen und sehr stabilen Nissan Geländewagen, vollgepackt mit zahnmedizinischer Ausrüstung und Dieselkanister von Kathmandu nach Süden. Die schmale Passstrasse mit viiiielen Kurven und noch mehr Schlaglöchern führte über Daman (Passhöhe ca.2440m) bis nach Hetauda, die Stadt am Fuss des hinter uns liegenden Gebirges, vor uns liegend die Tiefebene Nepals, das Terai. Die Teepause im "Everest Panorama Resort", in der Nähe von Daman, war auch im Regen und ohne weite Fernsicht (Monsunzeit) , beeindruckend. Das Panoramafoto im Gastraum vermittelte eine Vorstellung von den schneebedeckten Bergen am Horizont. Von Hetauda ging es dann über einen unbedeutenden Bergrücken nach Pathlaya und damit auf den West-Ost "Highway", bis nach Lahan, unserem Zielort, in dem wir die Nächte in einem Hotel verbrachten. Diese Strasse ist teilweise schnurgerade, relativ besser d.h. breiter, besser alsphaltiert, aber auch dort gibt es plötzlich auftauchende Hindernisse, wie liegende oder stehende Kühe und natürlich Schlag"gruben"! „.Von Pathlaya aus führt der „Highway" erst durch weite Waldgebiete (urwaldähnlich) bis dann das flache, kleinparzellige Ackerland beginnt (Reis,Mais), das immer noch wie vor Jahrhunderten, mit Hilfe des Wasserbüffelgespanns und des Holzpflugs bearbeitet wird. Die nördliche Grenze Indiens ist teilweise nur ca. 15 km entfernt. Die Strasse überquert unzählige Flüsse, die aus dem Gebirge kommen, über Brücken, die schmäler sind als die eigentliche Strasse, ein gefährliches Einfädeln! Das Klima dort imTiefland ist um einiges wärmer und feuchter als in Kathmandu.

Auf dieser Strecke in der Tiefeebene hatten wir es auch mit örtlich begrenztem Streik zu tun. Dabei wird von der Srassendorfbevölkerung einfach der „Highway" blockiert, wir steckten also im Stau fest.

Pralath, unser Fahrer ist sehr clever, aktivierte Blaulicht und Sirene und verbreitete unter den Streikenden, dass ich ( ich musste mich auf der Rückbank schlafend stellen) dringend ins Krankenhaus (Indien) transportiert werden müsse („Vorsicht, nicht zu nahe ans Auto, der Kranke muss ständig erbrechen!") Es hat glücklicherweise gut funktioniert und wir kamen weiter! Übrigens, etwas außerhalb von Lahan steht das „Sagarmatha Choudhary Eye Hospital" der Christoffel Blindenmission, eine sehr große Augenklinik von dem deutschen Augenarzt Dr. Hennig geführt. Hier werden vor allem Katarakt OP´s durchgeführt. Leider konnte ich es aus Zeit und organisatorischen Gründen nicht besichtigen.

dl_4_dental-camp.jpgAn jedem Arbeitstag fuhren wir vom Hotel ausn nördlich in das nahe Hügelland, wo sich das, mit Posten und Stacheldraht, gesicherte Militärcamp der Maoisten befand. Wir wurden dort sehr freundlich aufgenommen, die „cma´s" (commom medical assistants = „Sanis") unterstützten unsere Arbeit, wo möglich und mittags wurden wir in der Essensbaracke mit Reis und Gemüse versorgt.

Der einzig mögliche Behandlungsraum in der Sanitätsbaracke war leider sehr klein, sehr spartanisch ausgestattet, die Patienten wurden liegend auf einem alten hölzernen „OP-Tisch" behandelt und Improvisationstalent , nicht zuletzt wegen häufigen Stromausfalls war gefragt.

 

 

 

 

dl_3_dental_camp.jpgTrotzdem konnten wir ca. 240 Patienten, meist junge Soldaten, weiblich und männlich, aber auch alte Menschen vom nahen Dorf, behandeln. Da die Stiftung „dentists without limits" für die dental-camps in Nepal die tragbare Einheit Trans Care der Firma Acteon (mit Unterstützung der Firma und dem Dental-Depot Henry Schein) Ende 2007 angeschafft hat, war es möglich, nicht nur Extraktionen, sondern auch Füllungen, Zahnsteinentfernung und vor allem chirurgische Entfernungen von Wurzelresten und „schwierigen" Zähnen mit Wasserkühlung und gezielter Absaugung durchführen zu können. Bisher konnte den Behandlungsbedürftigen in den dental-camps nur mit reiner „Extraktionstherapie" geholfen werden, also ein ganz bedeutender Fortschritt!

Auf den Fahrten zu dem Camp warteten öfters Überraschungen auf uns, z.B. eine unpassierbare überflutete Brücke, durch starke nächtliche Regenfälle bedingt, die „beliebte" Strassensperre wegen „banda" (Streik) oder wieder einmal geschlossene Tankstellen wegen Treibstoffmangel! Einmal - Überraschung ! -, ein grosses Stück Strasse fehlte plötzlich, der Fluss hatte es in der Nacht angehoben und woanders dl_2_flussbergang.jpghingetragen und dort abgelegt, - wieder Stau. Doch Pralath schaltete den 4-Rad Antrieb des Geländewagens ein, kämpfte sich ein gutes Stück am Rand des Flussbetts aufwärts, um dann an einer flachen Stelle den Fluss zu überqueren und danach das ganze wieder zurück auf der anderen Seite des Flusses, auf das noch intakte Straßenstück. Mit Glück und dem fahrerischen Geschick von Pralath konnten wir so zu unserem Arbeitsplatz gelangen.

 

 

Nach 7 Tagen anstrengender Arbeit ging es dann wieder auf dem gleichen Weg zurück in die sichere „Oase SKM" !, vorbei an einem umgestürzten LKW im Strassengraben oder an der Passstrasse, an einem Bus, der sich mit der Vorderachse gerade noch an einem Felsvorsprung "fest krallte", kurz über dem Abgrund. Glücklicherweise saßen keine Leute mehr darin.

 

Alles in allem war es schon ein wenig abenteuerlich dieses Camp und ich war sehr froh und dankbar Hari und Pralath als freundschaftliche Begleiter und clevere, fähige Helfer und Christa Drygalla als erfahrene, sorgfältige und verantwortungsbewusste Organisatorin gehabt zu haben.

 

 

Nachtrag: Links für Interessierte:

 

www.gtz.de (auch unter Wikipedia : GTZ)

 

www.nepalnews.com

 
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