Home arrow Erfahrungsberichte arrow Asien / Nepal / SkM-H / von Dr. Andreas Glocker D-88171 Weiler-Simmerberg

Anmeldung

Sponsoren:
Advertisement
Asien / Nepal / SkM-H / von Dr. Andreas Glocker D-88171 Weiler-Simmerberg Drucken E-Mail
Geschrieben von Dr. Andreas Glocker-AD-DWLF ID 0106--Tel. 0049-8387-572   
Montag, 12. November 2007
Thema: Bist Du konvertiert?
...oder wie man als Zahnarzt nach Nepal kommt
.
Bericht von zwei Einsätzen 2006/2007 im Sushma Koirala Memorial Hospital in Salambutar 

nepal_rukmini.jpg


Dr. Andreas Glocker  DWLF -ID 106                
D-88171 Weiler-Simmerberg
tel. Praxis: +49 8387 572
eMail:   Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können












Bei einem Besuch meines alten Studienfreundes Walter Niederalt in Roßtal fielen mir im Wintergarten die farbigen Gebetsfahnen auf, die ich von Bildern der Bergexpeditionen im Himalaya kannte. „Seid Ihr konvertiert, oder warum hängen hier diese Fahnen?“ war meine neugierige Frage. „Ich habe letztes Jahr als freiwilliger Zahnarzt in der Zahnstation eines Hospitals bei Kathmandu gearbeitet“, erklärte er mir.
Das ließ mich nicht mehr los und kurzentschlossen meldete ich mich bei Kollegin Keller in Waltenhofen für April 05 für zwei Wochen als Zahnarzt im SKM-Hospital in Salambutar, etwa 16 km östlich von Kathmandu, an. Nach sehr guter Hilfe von Kollegin Keller hatte ich bald alle Visavorbereitungen erledigt und flog sehr gespannt nach Nepal – im Gepäck Füllmaterialien, Narkosemittel, Lokalanästhetika und mehr. Christa Drigalla, die Krankenhausleiterin, holte mich in einem großen Ambulanz-Landcruiser am Flughafen ab und wir meisterten die 16 km Schlagloch-Vermeidungstour in etwa 50 Minuten quer durch Kathmandu – durch tausende von Motorrädern, Autos und Bussen in einem unergründlichen Verkehrschaos, vorbei an imposanten Palästen und farbigen Tempelanlagen, kleinen Händlern, aber auch unendlicher Armut.

nepal_seto_machendranath.jpgnepal_thamel.jpg









Seto-Machendranath-Tempel                 Händler in Thamel


Im Hospital bekam ich ein nettes kleines Zimmer mit Dusche im Gästehaus. Nach einer kleinen Erholungspause führte mich Christa über das gepflegte Gelände mit hübschem Garten, großer Spielwiese und den Op-Gebäuden und Patientenzimmern. Sie stellte mich dem Geschäftsführer Rajendra vor, den vielen Helferinnen und Helfern und natürlich Dr. Andreas Settje, dem leitenden Chirurgen. Der technische Leiter des Hospitals, Hein Stahl war auch da, sowie die unermüdlich aushelfende Trudi Reske. Besonders nett war der Empfang durch meine kommende Helferin Rukmini. Rukmini hat dann 2006, unterstützt vom Hospital, eine Weiterbildung zur Dental Hygienist in Kathmandu begonnen und wurde bei meinem zweiten Einsatz 2006 durch Harry vertreten.
 
nepal_skmhof.jpgnepal_skmhospital.jpg












Der Haupteingang                          hinter dem Op-Gebäude

Die kleine Zahnstation ist gleich nach dem Haupteingang im Patiententrakt untergebracht. Sie hat einen großen, hellen Behandlungsraum und einen kleinen Nebenraum als Labor und Vorratsraum. Die Behandlungseinheit stammt aus Indien, der Kompressor aus Deutschland und die komplette Instrumentierung stammt aus Spenden – alles in gutem Zustand. Inzwischen ist auch ein neues Kleinröntgengerät installiert. Also los mit der Behandlung! Ich habe bei beiden bisherigen Einsätzen durchgehend zwei Wochen im Hospital gearbeitet und damit das dort typische Behandlungsspektrum abgedeckt: Extraktionen, Füllungen, die ein oder andere Endo und ein einziges Mal die Erweiterung einer Modellgussarbeit bei einem Spaltpatienten. Die Patienten zeigten sich stets freundlich und dankbar für die Hilfe und waren immer – auch bei schwierigeren Weisheitszahn-Entfernungen – klaglos zu behandeln. Für diese Menschen bedeutet die Extraktion eines vereiterten Zahnes die Erlösung von oft wochenlangem Leiden. Ich erinnere mich immer noch gut an den 81 Jahre alten Herrn, der einen 4-stündigen Fußmarsch auf sich genommen hatte, um zum Hospital zu gelangen. Nachdem ich ihm einen beherdeten Zahn entfernt hatte, legte er sich auf das Bänkchen vor der Zahnstation, hielt ein Nickerchen und machte sich dann wieder auf den Heimweg. Ich war aber auch erstaunt, wie viele Patienten regelmäßig zur Zahnreinigung kamen – durch die kauintensive Ernährung erscheinen die Zähne generell recht gut zu sein, aber man sieht sehr starke Erosionen und Attritionen. Die Karies ist meiner Erfahrung nach meist als Wurzelkaries interdental zu finden. Durch mangelnde Versorgung in den unzähligen Bergdörfern fehlt jegliche Behandlung. Daher auch die vielen Vereiterungen.

nepal_zahnstation.jpg nepal_rukmini.jpg












Die Zahnstation               mit Rukmini vor der Tür


Mittwoch morgen ist immer die große Visite – ich habe Dr. Settje dann auf seiner Runde durch die Patientenzimmer begleitet um den Heilungsverlauf der vielen Brandverletzungen, Tumoroperationen, rekonstruktiven Operationen und auch mal kleineren Wehwehchen zu begutachten. Dabei war auch mein zahntechnisches Geschick bei der Herstellung von Röhrchen für die Luftwege bei Nasenrekonstruktionen gefragt. Das Hospital hat sich auf die Behandlung von Brandverletzungen spezialisiert, die durch den noch üblichen Gebrauch von offenen Feuern in den Häusern, durch defekte Kerosinkocher und durch Unfälle beim Anzapfen – „hooking“ – von Stromleitungen verursacht werden. Betroffen sind dabei sehr häufig Kinder und Frauen.
Ein Highlight war sicher bei meinem ersten Aufenthalt mein Vorstellungsbesuch bei der nepalischen Zulassungsbehörde in Kathmandu! In einem unansehnlichen Gebäude wurde meine Approbation geprüft und ich einem kurzen Interview über die Hintergründe für meine Hilfe befragt. Daß ich beim Eintreten in das „Befragungszimmer“ über das auf dem Boden verstreute Essgeschirr der Prüfungskommission steigen musste gab dem ganzen eine ganz besondere "Note". Ich hatte für die Töchter von Dr. Settje Zahnschmucksteine mitgebracht – kaum aufgeklebt, wünschte sich die gesamte weibliche Belegschaft auch solche „Schmuckstücke“. Nach ein paar Tagen war auch Nachfrage aus den umgebenden Dörfern – ein schönes Lachen ist also auch in Nepal eine Zierde!

nepal_reklame.jpgnepal_gebetsfahnen.jpg










handgemaltes Reklameschild         Gebetsfahnen beim Bodhnath-Tempel


Überhaupt ist man im Farbenrausch, wenn man durch die Dörfer und Städte wandert – kunstvoll gemalte Reklameschilder und verzierte Lastwägen, tausende von farbigen Gebetsfahnen, bemalte und goldglänzende Tempel und Heiligtümer und die leuchtend roten, gelben, blauen und grünen Saris der Frauen. Vom Hospital aus kann man zu Fuß durch Sankhu zum Vajrayogini-Tempel laufen, wo einen eine endlose Treppe und wilde Affen erwarten. Auch eine Wanderung den Hügel hinter dem Hospital hinunter über den Manohara-Fluß und über die Terrassenfelder mit Getreide oder Reis bepflanzt zum Changu Narajan ist ein empfehlenswerter Ausflug.

nepal_djangusight.jpgnepal_kinder.jpg










Die Klinik vom Changu Narayan               Kinder auf dem Weg


Christa und ihre Mitstreiter stehen immer für Tips und Infos bereit und haben mich auch viele male mit nach Kathmandu genommen. Die Stadt liegt in einem Kessel und durch die vielen garantiert filterfreien TATA-Diesel, tausende von Taxis und wie man meint hunderttausende von Honda Hero Motorrädern ist die Luft teilweise kaum zu ertragen. Aber man muss einmal in das Gewirr von kleinen Gassen und Läden hinter dem Durbar Square oder in Thamel gelaufen sein, mit den Händlern um einen Paschmina-Schal, eine Kette oder einen Khukri-Dolch gefeilscht haben. Man muss einfach den Bodhnath-Tempel umrundet haben, den Swayambhunath über die 365 Stufen erklommen haben und von dort oben die Sicht über die Stadt genießen, ohne von den unheiligen Affen angegriffen worden zu sein oder die Ruhe und Erhabenheit von Pashupatinath erleben, wo man, für uns etwas gewöhnungsbedürftig, die Asche der verbrannten Gestorbenen dem Bagmati übergibt. Oder einen Abstecher in die Töpferstadt Thimi machen, die sehr saubere und nicht minder schöne Stadt Bhaktapur besuchen – da kommt Rukmini her und da gibt es vorzüglichen Joghurt in Tonschalen serviert – und dort im Nyatapola-Cafe auf dem umlaufenden Balkon eine Tasse Tee genießen – man wird gefangen von der Ruhe und Entspanntheit.
Die bettelarmen Menschen die doch scheinbar glücklich leben und den Touristen doch immer freundlich und mit einem Lachen begegnen!


nepal_swayambunath.jpgnepal_nyatapola.jpg 










  Blick auf Kathmandu vom Swayambunath             das Nyatapola-Cafe


Es lohnt sich auf jeden Fall, sich die Zeit zu nehmen und zu helfen, wo wirklich Hilfe nötig ist und gleichzeitig unvergessliche Eindrücke einer fremden Kultur zu gewinnen. Auch die Schattenseiten unendlicher Armut und trotzdem positiver Lebenseinstellung, die tiefe Religiosität, Mangelverwaltung überall, politische Instabilität und die krassen Gegensätze verhelfen einem zu neuer Demut und Respekt. Man ist trotzdem nicht gefeit vor einem tollen Essen in der Hunter’s Lodge im Meridien auf dem Weg zurück ins Hospital oder einem grandiosen Jazzkonzert zur Eröffnung des Garden of Dreams im Kaiser-Mahal.


nepal_dreamgarden.jpg










Garden of Dreams in Thamel


Deshalb habe ich bisher zweimal am SKM gearbeitet, plane schon wieder einen nächsten Einsatz und freue mich , die dort gewonnenen Freunde wieder zu sehen. Ich versuche auch regelmäßig Behandlungspatenschaften zu übernehmen, wobei mich meine Patienten hier im Allgäu kräftig unterstützen.
Wer auch gerne mal kräftig zulangen möchte, der kann eigentlich immer auch bei den Arbeiten auf dem Klinikgelände mithelfen. So habe ich bei der Installation eines neuen Notstromaggregats mitgeholfen, den Boden im Behandlungszimmer an der Einheit ausgebessert und bei der Aufrichtung des neuen Daches über dem Op-Trakt Handlangerdienste geleistet.
Also dann, hoffentlich bald in Nepal.

Namaste!

Dr. Andreas Glocker  DWLF-ID 106
Bahnhofstr.
88171 Weiler-Simmerberg
 
< zurück   weiter >

Umfragen

Wie alt sind Sie?
 
Spendenkonto: Zahnärzte ohne Grenzen,
Ev. Kreditgenossenschaft eG, Kassel
BLZ 520 604 10 – Kto. Nr.: 5 302 471
IBAN: DE 83520604100005302471 – BIC: GENODEF1EK1
© 2012 dentists without limits