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Geschrieben von Zahnärztin Birgit Calenberg-PME-AD--DWLF ID 0068--Tel. 0049-203-400895   
Donnerstag, 6. September 2007

Thema: Ein Pionier -Besuch in Trishuli - ca. 70km nördlich von Kathmandu.

Geschrieben von der Zahnärztin Birgit Calenberg 47169 Duisburg
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0203-400895

Sie ist auch die Projektmanagerin (PME) von Trishuli.




Mit dem Jeep ging es am frühen Morgen um 5 Uhr zu viert vom Sushma Koirala Memorial Hospital in Sankhu aus in Richtung Nordwesten nach Trisuli.
Im Gepäck hatten wir einen gebrauchten, aber recht gut erhaltenen zahnärztlichen Behandlungsstuhl, eine Behandlngsleuchte und unsere Instrumenten- und Medikamentenboxen.

Ich war in Begleitung meiner Freundin Trudi Reske, die ich in meiner Duisburger Praxis in einem Schnellkurs zur Zahnarzthelferin weitergebildet hatte, Hein Stahl, der bereits das Sushma Koirala Memorial Hospital gebaut hatte und Christa Drigalla, der leitenden Krankenschwester des SKM.
Die Fahrt ging durch eine wunderbare Hügellandschaft, durch idyllische Bergdörfer, vorbei an Reis- und Weizenterrassen, durch Schluchten und Täler und über Berge auf bachbettartigen Straßen, die mit unseren Straßen keinen Vergleich stand halten. Man war wieder versetzt ins Mittelalter. So muss sich damals das Reisen in einer Kutsche angefühlt haben und das Wort “gerädert” bekommt in diesem Zusammenhang wieder seine wahre Bedeutung.
Die Nepali droschen ihr Getreide direkt auf der Straße, indem sie die Autos darüber fahren ließen, Not macht erfinderisch. Wegen der Unwegsamkeit des Geländes hatten wir dann auch nach 2 Stunden die erste Reifenpanne, was für Hein jedoch kein großes Problem war.

Die Sonne stand schon hoch am Himmel, gegen 11 Uhr kamen wir endlich am “dental-center” des Lions Clubs von Trishuli ein. Ramesh Shresta und seine Freunde begrüßten uns sehr herzlich, zusammen mit dem sani doctor ( kleiner Doktor) Dinesh, einem ausgebildeten Zahnarzthelfer, dem es dort erlaubt ist, Zähne zu ziehen, weil keinerlei andere zahnärztliche Betreuung vorhanden ist.
Im örtlichen Rundfunk war das Eintreffen einer deutschen Zahnärztin, erstmals wieder nach 5 Jahren, angekündigt worden und so wurde ich bereits von ca. 100 Patienten sehnlichst erwartet, die sich alle vor der Station eingefunden hatten.
Während Christa die Patienten registrierte und Hein den Stuhl und die Behandlungsleuchte zu installieren begann, fingen Trudi und ich an, auf der Terrasse die ersten Patienten zu behandeln unter kritischer Kontrolle aller Behandlungsbedürftigen. Es war wie auf der Kirmes. Außer Extraktionen und dental cleanings mit Handinstrumenten konnten wir leider nicht viel machen. Als der Stuhl montiert war und wir den sehr spartanischen Behandlungsraum benutzen konnten, fiel ständig der Strom aus, außerdem war die Behandlungseinheit nicht zu gebrauchen.
Wir arbeiteten 2 volle und einen halben Tag von 9h morgens bis Sonnenuntergang unter sehr erschwerten Bedingungen, wegen des Stromausfalls und der subtropischen Temperaturen . Es wurden ca.100 Zähne extrahiert und 25 cleanings durchgeführt.
Wir waren in einem Guesthouse mit einem wunderschönen Garten untergebracht und man kümmerte sich sehr gut um uns.

An unserem Abreisetag war “Bandha”, das bedeutet Streik und damit verbunden Autofahrverbot. So hatten wir die Gelegenheit und das große Glück im Dorf an einer Hindu-Hochzeitszeremonie teilnehmen zu dürfen, was das absolute Highlight dieses Einsatzes war. Die Möglichkeit, so etwas zu erleben, gemeinsam mit der Dorfgemeinschaft zu feiern, die Gastfreundschaft , die uns von allen entgegengebracht wurde und die Rituale, die so unterschiedlich sind zu denen in unserer Kultur, das war das Allergrößte.

Wir haben uns in Trishuli sehr wohl gefühlt. Die Lions Freunde sind sehr engagiert, um in ihrem Landstrich die medizinische Versorgung zu verbessern. Die Menschen waren durchweg sehr gastfreundlich und gerne bereit uns zu zeigen, wie sie wohnen und wovon sie leben. So einen bereits betagten Handwerker, der über eine große Sammlung an vielerlei Werkzeug verfügte und auch selber Werkzeuge und Turbinen herstellte. Es war faszinierend zu sehen , mit welcher Präzision diese Menschen unter einfachsten Bedingungen zu arbeiten im Stande sind.

Ich möchte möglichst viele Kolleginnen und Kollegen ermuntern, eine solche Erfahrung selbst zu machen. Bei einer solchen Reise gibt man nicht nur, man bekommt ganz viel zurück. Nach dem Aufenthalt in einem solchen Land kommt man sehr demütig zurück und hat wieder einen viel intensiveren Blick für das wirklich Wesentliche im Leben.


Ihre
Birgit Calenberg

 
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